TEXT von UCHIDA Yukiko
Ein Ausländer, der sich neulich in einer Bahn in Japan schnäuzte, erinnerte mich daran, wie überrascht ich war, als ich in Deutschland das erste Mal mitbekam, wie geräuschvoll sich ein Deutscher schnäuzen kann. Fast alle Mitfahler in der Bahn beobachteten erstaunt den Ausländer, der wie ein Europäer aussah. Ich musste allerdings als einzige darüber lachen. Nicht, wegen des Schnäuzens, sondern wegen der Überraschung über das Geräusch, die den anderen Leuten im Gesicht stand. So also hatte ich damals ausgesehen. Und ich stellte fest, dass ich mich bereits an dieses Geräusch gewöhnt hatte.
Ich erinnerte mich dann daran, wie ich beim ersten Besuch in Deutschland den Trompetenschall gehört hatte. Ich dachte mir damals zuerst: "Was ist das für ein ungewöhnlicher Laut? Was ist passiert?". Nachdem ich wusste, dass der Laut vom Naseputzen kam, machte ich mir Sorgen, ob man sich durch solches Trompeten nicht seine Ohren schädigen könne. Aber als ich dann diese Töne häufiger hörte und sogar selbst versuchte, sie durch kräftiges Ausstoßen von Luft in die Nase erklingen zu lassen, ließ meine Sorge etwas nach und ich gewöhnte mich an den befremdenden Nasenklang - obwohl ich immer noch nicht trompeten kann.
Es gab noch eine andere Überraschung für mich. Dass sich viele Deutsche mit einem Stofftaschentuch die Nase putzen und nicht nur mit einem Papiertaschentuch. Das praktizieren nicht nur Deutsche, sondern auch Amerikaner, so viel ich weiß, und wohl auch der Großteil der anderen Europäer. Sicher, mit Papiertaschentüchern putzen sich auch viele die Nase, aber ungewöhnlich ist, dass sie das Taschentuch, das sie einmal benutzt haben, nochmals und nochmals verwenden, vielleicht mehr als fünfmal.
Diese Eigenart habe ich aber gleich verstanden, nachdem ich deutsche "Tempos" kennen gelernt habe. Im Vergleich zu einem japanischen Papiertaschentuch, das so dünn ist, dass man es nicht mehrmals benutzen kann, ist das Tempotaschentuch sehr stabil. Und es wird in der Tasche gleich trocken wegen des trockenen Wetters in Deutschland und so wieder verwendbar. Weil ich diese Taschentücher sehr neu und sensationell fand, brachte ich viele "Tempo"-Packungen aus Deutschland nach Japan mit. Und ein paar Freunden in Japan, die sich erkältet hatten, habe ich eine Packung dieser Taschentücher geschenkt. Aber leider waren sie sehr skeptisch, was den mehrmaligen Gebrauch von Papiertaschentüchern angeht, so wie ich noch zuvor.
Nächste Woche werde ich über das Gegenteil berichten: Über für Deutsche ungewöhnliche Geräusche von Japanern.