TEXT von UCHIDA Yukiko
Am 5. Juni fand das Weltmeisterschaftsspiel Deutschland gegen Irland statt, und ich war live im Stadion!
In der Stadt, im Bahnhof, überhaupt überall in Tôkyô sieht man schon seit Ende Mai Ausländer. Ich bin wirklich erstaunt, wie beliebt Fußball in der Welt ist! Sie kommen, nur um sich Fußball an zu schauen, extra nach Japan, obwohl unser Land am anderen Ende der Welt in Ostasien liegt! Unglaublich. Aber wir Japaner sind auch sehr begeistert, dass das größte Fußballfest in Japan und damit das erste Mal in Asien überhaupt stattfindet. Ich bin eigentlich nicht unbedingt ein Fußballfan, aber trotzdem bin ich aufgeregt zu erleben, welche besondere Atmosphäre zur Zeit hier in Japan herrscht.
Aber es gibt viele organisatorische Fehler und Probleme. Zum Beispiel, dass nicht alle Eintrittskarten verkauft werden, obwohl es viele Leute gibt, die sie gerne haben würden. Auch ich hatte große Schwierigkeiten eine Eintrittskarte für das Deutschland-Irland-Spiel zu ergattern: Die Telefonverbindungen zu der Bestellannahme brachen ständig zusammen. Zuerst wurde auch Verwirrung dadurch gestiftet dass Eintrittskarten nur für die Person gelten sollten, deren Name auf der Karte steht. Trotzdem durfte beim Spiel jeder unkontrolliert eintreten, der eine Karte dabei hatte. Zudem wurde stets betont, dass im Stadion kein Alkohol ausgeschenkt werden würde. Im Stadion konnte man dann allerdings, wie ich am im Stadion mitbekam, ohne Probleme Bier kaufen. Was sollte das überhaupt?
So war ich dann zu guter letzt sehr glücklich im Stadion von Ibaraki einen Platz bekommen zu haben. Der Bahnhof von Tokyo war bereits voll von Leuten, die meisten davon kamen aber - gut zu erkennen an ihren grünen Trikots - aus Irland, nur wenige aus Deutschland. Die Iren waren schon mehr als sechs Stunden vor dem Spielstart völlig außer Rand und Band! Die Bahnfahrt von Tôkyô bis zum Studium dauerte etwas länger als 2 Stunden. In der voll gepackten Bahn sangen und sangen die Mitfahrer gut 2 Stunden lang ohne Unterbrechung! Sehr lustig! Meine Freunde und ich hatten deutsche Trikots an und um uns herum waren fast ausschließlich Iren, wiederum kaum Deutsche! Deswegen waren wir ein wenig ängstlich und hätten uns beinahe wieder schnell die Trikots ausgezogen, weil die Leute aus dem Fußballland Irland sich hätten provoziert fühlen können, uns zu schlagen, oder so etwas... Aber nein, sie waren einfach nur nett, und riefen uns freundlich lachend "Germany! Germany!" zu.
Auch im Stadion sahen wir leider nur sehr wenige Deutschlandfans. So viel ich gesehen habe, waren schätzungsweise 80% der Leute für Irland da. Und um unsere Sitzplätze herum saßen auch ausschließlich Irlandfans. Trotzdem haben wir mitten in der Irlandfans laut gerufen, als Deutschland das erste Tor schoss! Sehr schön, dass ich so nah und live dabei sein konnte, um Deutschland spielen zu sehen. Das Spiel war natürlich sehr interessant, aber noch viel interessanter war es, die verrückten Fußballfans zu beobachten.
Wie viele Leute aus Deutschland nach Japan gekommen sind, um Fußball zu schauen? Weniger, als ich gedacht hätte. Ich dachte, es kämen viele, weil die Deutschen auch verrückt nach Fußball sind. Die nächste Weltmeisterschaft findet in Deutschland statt. Viele japanische Fußballfans können dies jetzt schon nicht mehr abwarten und wollen auch in vier Jahren nach Deutschland fliegen, so fußballverrückt sind sie. Das schöne an dieser Art von Tourismus ist meiner Meinung nach, dass sich unter Umständen die Fans, die in dieser WM nach Japan gekommen sind, vielleicht auch für Japan selbst interessieren werden und das die japanischen Fans, die in vier Jahren nach Deutschland reisen, so vielleicht auch Deutschland kennen lernen werden.