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04_yukikos japan-tagebuch

woche 9: Hintergrund der Sprache.
 


TEXT von UCHIDA Yukiko


Ich kann mich noch gut daran erinnern wie überrascht ich war, als ich das erstes Mal eine deutsche Zeitung sah. Sie war sehr dick. Es ist schön, so viel zu lesen zu haben, wie ich finde. In Deutschland ist eine Zeitung oft so dick wie drei, vier oder fünf japanische Ausgaben zusammen. Japanische Zeitungen sind schon sehr dünn. Aber dafür leicht zu lesen, obwohl eine japanische Zeitung meist vollgepackt ist mit Politik und Kultur.

Im Vergleich zu japanischen Zeitungsartikeln sind deutsche Artikel zum gleichen Thema inhaltlich fast gleich. Da stellt sich dann doch die Frage, warum die Dicke der beiden Zeitungen so unterschiedlich ist. Nun, ich habe einmal bemerkt, dass deutschsprachige Artikel im Vergleich sehr lang sind. Wenn man einen Artikel aus dem Japanischen ins Deutsche übersetzen würde, wäre der Artikel fast immer länger als das Original. Wenn ein Artikel vom Deutschen ins Japanische übersetzt werden würde, wäre er dann kürzer. Sehr interessant, wie ich finde. Was ist aber eigentlich anderes so anders?

Nachrichten sollen immer genau geschrieben sein, damit alle Informationen richtig verstanden werden können. Das gilt gleichermaßen für japanische und deutsche Zeitungsberichte. Obwohl beide Sprachversionen klar und deutlich sind, würde ein Japaner über einen deutschen Artikel sagen, er sei schwer zu lesen, weil die Informationen weitschweifig vermittelt würden. Ein Deutscher würde hingegen sagen, ein japanischer Artikel sei schwer zu lesen, weil er undeutlich geschrieben sei. Zum Beispiel kommt nach deutschem Sprachverständnis betrachtet oft nicht heraus, wer was macht. Das kann ich mir gut vorstellen, da im Japanischen sehr oft in einem Satz Subjekt oder Verb fehlen. Außer den Unterschieden in der sprachlichen Struktur zwischen Japanisch und Deutsch habe ich allerdings keine große Unterschiede bei der Betrachtung von verschiedensprachigen Zeitungsartikeln gefunden.

So stellte ich erneut fest, dass es nötig ist, die soziokulturellen Hintergründe eines Landes zu kennen, um eine fremde Sprache zu verstehen. Bei dem genannten Beispiel ist der Hintergrund unterschiedlich. Undeutlicher im Japanischen, ordentlicher bei den Deutscher, wenn ich es auf eine Formel bringen sollte (auch wenn sie stereotyp klingt). Wie dem auch sei: Ich fühle mich manchmal sehr wohl, wenn ich in dem klareren und unmissverständlicheren Deutsch rede. Das undeutliche und aus Andeutungen bestehende Japanisch macht mich hingegen manchmal verlegen…



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