TEXT UND FOTOS von Gyo Araiwa
"Mensore" heisst der Willkommensgruß auf Okinawa, eine
Begrüßung, die kaum eine linguistische Verwandtschaft mit der japanischen
Sprache aufweist. Ausser einzelnen Wörtern haben sich jedoch nur wenige
Formulierungen in die heute auf den Inseln gesprochene Sprache gerettet,
die keinesfalls ein Dialekt des Japanischen darstellt. Ältere Menschen
sind es vor allem, die untereinander ganze Gespräche in jener Sprache
abhalten können, für Jugendliche ist dagegen der Sog des einheitlich-homogenen
Erziehungssystems im Schulwesen, so wie auch die Attraktivität, an dem
(pop-) kulturellen Ganzen Japans teilzuhaben, zu groß, als dass man
sich der Gefahr der Ausgrenzung aussetzten würde - man kann eben nur
noch Japanisch sprechen und greift höchstens auf Versatzstücke zurück
von dem, was früher einmal eine ganze Sprache war.
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Ein
Löwe auf dem Dach beschützt auf Okinawa das Haus vor Unglück |
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Die Flugzeit von Tôkyô beträgt etwa zweieinhalb
Stunden. Die Präfektur Okinawa ist die geographisch am weitesten entfernte
von Tôkyô und auch in vielerlei anderer Hinsicht liegt man hier weit
weg vom Zentrum. Angefangen bei äusseren Merkmalen wie klimatische Verhältnisse,
landschaftliche Gegebenheiten oder das etwas andere Aussehen der Menschen,
fallen einem viele Unterschiede zu "Naichi" (Bezeichnung auf
Okinawa für "Binnen-Japan") auf: Trotz der japanischen Sprache ist hier
die kulturelle Eigenständigkeit viel stärker ausgeprägt als anderenorts
im Land, eine Eigenheit, die jedoch nicht missgedeutet werden kann,
als der bloße Unterschied von Hauptstadt zur Provinz.
Zunächst einmal hat Okinawa seine ganz eigene, weder chinesische
noch japanische Küche, was den unerfahrenen Besucher beim Lesen
der Menükarte vor unüberwindbare Verständnisprobleme stellt. Bei der
einheimischen Bevölkerung schlägt sich die Ernährung - es handelt sich
um eine dem Klima angepasste, leichte Küche - in einer langen Lebenserwartung
nieder, die sogar den ohnehin schon hohen Durchschnitt Japans übertrifft.