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3 Begründer der Tee-Kunst (Seite 4 von 5)
<< zurück zu Seite 3 renga-Einflüsse bei JôôJôô war schon ein angesehener renga-Dichter, bevor er sich der Tee-Kunst zuwandte. So kann es nicht Wunder nehmen, daß er die Parallelen, die zwischen renga und der Tee-Kunst durchaus vorhanden sind, erkannte, und Begriffe der renga Dichtung, die ihm hierfür geeignet erschienen, auch zur Erklärung der Tee-Kunst und ihrer Besonderheiten heranzog. Mit dem Begriff ichiza konryû, der etwa die Bedeutung "Bau einer Zusammenkunft" trägt, machte Jôô deutlich, daß zum Gelingen einer Tee-Zusammenkunft alle Teilnehmer "mitbauen" müssen. Der renga-Ausdruck ichigo ichido no san e ("eine einmalige Zusammenkunft einmal im Leben") drückt die Einmaligkeit, die Unwiederholbarkeit jeder einzelnen Tee-Gesellschaft aus. Jôôs Leistungen im GesamtüberblickWas Jôôauszeichnete, war sicherlich seine Liberalität gegenüber allen damals wichtigen Ausforrnungen der Tee-Kunst, die er sogar teilweise selbst praktizierte; gleichzeitig entwickelte er aber den Stil, der ihm besonders am Herzen lag, den sôan no cha, ein entschiedenes Stück weiter. Mit Jôô war die Entfaltung dieses Stils hinsichtlich seiner äußeren Erscheinung weitestgehend abgeschlossen. Auch im Sinne des Schulungsweges erzielte Jôô große Fortschritte. Beides wurde möglich durch die Einführung des sowohl in ethischen als auch in ästhetischen Kategorien wirksamen wabi-Ideals, einem Begriff, der von Jôô geprägt wurde und den Gedanken des hieyasete deutlicher zur Geltung brachte. SEN no Rikyûs Vollendung des wabi-Gedankens Die Herkunft SEN no Rikyû's ist nicht ganz sicher festzustellen. Man weiß, daß sein Großvater TANAKA Sen'ami hieß, jedoch belegen verschiedene Quellen die Existenz von insgesamt drei Sen'ami's. Ich folge hier dem "Sen no Rikyû yuisho sho" ("Buch der Abstammung von Sen no Rikyû), demzufolge er als TANAKA Yoshirô 1521 in Sakai geboren wurde. Seine Familie war durch den Fischgroßhandel zu Vermögen und ohne Zweifel durch Yoshirôs Großvater TANAKA Sen'ami, der als dôbô dem shôgun ASHIKAGA Yoshimasa diente, auch zu Ansehen gekommen. Wohl um seinen Vater Sen'ami zu ehren, änderte Yoshirô's Vater Yohee den Familiennamen in "SEN". Durch seinen Vater Yohee lernte YOSHIRÔ auch die Tee-Kunst erstmals kennen und lieben. Jedoch starb YOHEE schon recht frühzeitig, und YOSHIRÔ übemahm mit 19 Jahren die Sorge und Verantwortung für die Familie; in der Folgezeit taucht er in den verschiedenen Berichten seiner Zeitgenossen unter dem Namen SEN Sôeki auf. Nachdem Sôeki den Stil des shoin no cha mit Hilfe seines Lehrers KITARU Dôchin (1504-1562) gemeistert hatte, wurde er von ihm an TAKENO Jôô selbst weiterempfohlen.Unter Jôô's Anleitung studierte er den wabicha und wurde zugleich von dem Zen-Meister SHÔREI Shûkin, einem Mönch aus dem Daitokuji, im Zen unterwiesen- später verband ihn eine enge Freundschaft mit dem Abt des Daitokuji, KOKEI Sôchin, der auch großen Einfluß auf Sôeki's Gedankenwelt haben sollte. Mit 34 Jahren war Sôeki zu einem hochangesehenen Tee-Meister und Anhänger des wabicha geworden, und etwa 20 Jahre später, also mit etwa 54 Jahren, wurde er zum sadô, zum Hauptteemeister, des ODA Nobunaga (1534-1582), dem damals mächtigsten Mann Japans, ernannt. Neben Sôeki standen NOBUNAGA noch zwei andere sadô, IMAI Sôkyû und TSUDA Sôkyû, zu Diensten- auch sie hingen dem wabicha an. Nobunaga hatte einen solch großen Bedarf an Tee-Meistem, weil er es sich zur Gewohnheit machte, in der Schlacht oder sonstwie sich verdient gemachte Vasallen mit einer Tee-Gesellschaft auszuzeichnen (dies zeigt wohl auch, wie hoch angesehen die Tee-Kunst damals war). Nach dem Tod Nobunaga's übernahm dessen wichtigster General, TOYOTOMI Hideyoshi (1536-1598), nicht nur dessen Macht, sondem auch seinen "Hofstaat", zu dem selbstverständlich ebenso die sadô gehörten. Unter Hideyoshi stieg Sôeki zum größten Tee-Meister seiner Zeit auf. Dies gründete auch darauf, daß Sôeki Hideyoshi im Jahre 1585 bei einer Tee Gesellschaft am Kaiserhof unterstützte; sowohl für Hideyoshi als Angehöriger des Schwertadels als auch für Sôeki, einem "einfachen" Bürgerlichen, war dies eine unglaubliche Ehre, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte kein Vertreter dieser beiden Klassen eine solche Anerkennung durch den tennô (Kaiser) erfahren. Damit Sôeki überhaupt an der Zusammenkunft teilnehmen konnte, verlieh ihm der tennô den Titel "koji" (dieser Titel bezeichnet den erleuchteten Laienanhänger des Zen-Buddhismus), verbunden mit der Erlaubnis, sich in Zukunft "Rikyû" zu nennen, denn es war gemäß der strengen Hofetikette undenkbar, das eine Person ohne Rang und Titel vor den Kaiser tritt; unter dem Namen SEN nô Rikyû ist er auch heute noch allgemein bekannt. Rikyû blieb damit der einzige Bürgerliche seiner Zeit, der Kontakt zum Kaiserhof hatte. Nur zwei Jahre später, nämlich 1587, half Rikyû bei der Durchführung der großen Tee Veranstaltung von Kitano nahe Kyôto. Um sich dem ganzen Land nicht nur als großer Kriegsherr, sondem auch als Mann der Kunst zu präsentieren, lud Hideyoshi alle, die Interesse an der Tee-Kunst hatten, nach Kitano ein, dort sollten den Gästen die großartigen chinesischen Tee-Gefäße und andere wertvolle Kunstobjekte aus Hideyoshis Besitz gezeigt und von Hideyoshi selbst oder seinen Tee-Meistem der Tee zubereitet werden. Diese Maßnahme Hideyoshi's verlief so erfolgreich (es gab einen unglaublichen Andrang), daß Hideyoshi die Gesellschaft schon nach dem ersten Tag für beendet erklärte, obwohl eigentlich eine Dauer von zehn Tagen geplant war. 1591 ist das Todesjahr Rikyû's. Er starb durch seppuku, Selbstmord, der ihm von Hideyoshi selbst befohlen worden war, da er sehr in die Politik involviert war. Der "Stil der Zeit" Anders als die Tee-Meister vor ihm, legte Rikyû nicht mehr allzu großen Wert auf die Einhaltung der strengen Regeln, wie sie bisher ihre Gültigkeit hatten. Er sah die Gefahr, diese Regeln als das Geheimnis der Tee-Kunst - statt als Handreichungen und Hilfen mißzuverstehen und ihr wahres Wesen nicht zu erkennen. Diese Fesseln des "alten Stils" abstreitend, und somit befreit von überflüssigem Ballast, war es Rikyû nun möglich, den wabi Gedanken noch zu verfeinern. Rikyû galt als der Tee-Meister, der das Ideal des wabi stärker als alle vor ihm verinnerlichte (auch wenn er als sadô oft Tee-Gesellschalften des shoin no cha abhalten mußte), so war es Rikyû durchaus möglich, Tee-Zusammenkünfte nicht nur in 3 Matten-Räumen, sondern auch in 2 1/2, 2 oder sogar nur 1 1/2 Matten großen Räumen zu geben. Zu dieser räumlichen Verkleinerung kam auch seine Entwicklung der raku - Teeware, die als die reinste Verkörperung des wabi - Ideals gilt. Rikyûs "Stil der Zeit" sollte aber nicht mit den völlig falschen Attributen "modern" oder "modisch" verbunden werden. Im Gegenteil, seine Verinnerlichung, die Betonung des nach innen Gerichteten widersprach in krassester Weise dem damaligen Drang nach Luxus und Dekoration; durch die anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen, aber auch durch eine allgemeine Zunahme des Wohlstands, entstand eine Lebensgier der Bürger und der Adligen, die sich vor allen Dingen im Schwelgen in Luxus äußerte. JAPANLINK | aktuelles | medien & kultur | land & leute | geschichte & politik | special | über japanlink | © 1997-2010 by Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung auf Datenträger wie CD-ROM, DVD-ROM und anderen Internetseiten sowie Nachdruck dürfen nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung von APIX erfolgen. |