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Unter anderem wurde so auch die lokale Musik durch das san-hsien erweitert. Es wurde hier schnell zum populärsten Instrument, was es auch noch heutzutage ist, und erhielt hier den Namen jabisen (=Schlangensaite), später Shamisen (= 3 geschmackvolle Saiten).
Die Änderung der Konstruktion zum heutigen Shamisen fand wahrscheinlich durch den Ryukyu-Musiker Akainko statt und zwar gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Um das Jahr 1560 kam das Shamisen an Bord von Handelsschiffen über den Hafen Sakai, südlich von Ôsaka gelegen, nach Japan.
Da entsprechend große Schlangenhaut in Japan nicht vorhanden war, setzte sich sofort Katzenhaut als Körperbespannung durch.
Aus dem Jahr 1561 stammt dann die erste Erwähnung des Instrumentes durch einen Europäer, dem Portugiesen Rodriguez Tçuzzu, der als Übersetzer von Fürst Hideyoshi, später von TOKUGAWA Ieyasu fungierte. In seinem Japanisch-Portugiesischem Wörterbuch beschreibt er: "Xamixen: Eine Art dreisaitiger Laute".
Der erste namentlich erwähnte Shamisenspieler Japan´s war der blinde Biwa-Interpret SAWA-ZUMI Kengyô aus Kyôto, auch um ca. 1561. Er benutzte zum Spielen das breite Plektrum des Biwa, das seitdem in Gebrauch ist.
Im Verlauf seiner weiteren Geschichte verdrängte das Shamisen die kurzhalsige Laute biwa in seiner Popularität immer mehr. Sawazumi begleitete mit dem Shamisen joruri genannte, dra-matisch-narrative Musikstücke, die damals Teil des Repertoire´s jedes biwa-Interpreten waren, aber auch liedhafte Stücke, die sog. ryukyu kumiuta.
Zur etwa gleichen Zeit fing ein blinder Musiker namens YATSUHASHI Kengyo aus Edo mit dem Studium des Shamisen an und begann populäre, liedartige Kompositionen zu schreiben.
Demgemäß unterscheidet man narrative, sog. katarimono, und liedhafte oder lyrische, sog. utamono, Shamisenmusik.
Außer den joruri zählen auch die naniwa-bushi genannten, melodramatischen Liedstücke zu den katarimono.
Geschichte der katarimono
Wie erwähnt, kann SAWAZUMI gewissermaßen als Urvater des joruri bezeichnet werden, dies gilt aber nur dann wenn sich dieser Terminus auf Musik des Shamisen bezieht.
Denn der Begriff joruri ist wesentlich älter und bezeichnet generell alle musikalischen Erzählungen, die sich um die Geschichte der Liebe zwischen der Hofdame Joruri und dem General Ushiwakamaru ranken. Ushiwakamaru war ein Heerführer im Japan des 12. Jahrhunderts, um den einige Legenden entstanden; die Geschichte der Joruri entstand jedoch erst im 16. Jahrhundert. Diese Erzählungen wurden musikalisch begleitet, meistens von der biwa, und waren in ganz Japan außerordentlich populär.
Außer Sawazumi sorgte auch eine Musikerin namens ONO no Otsu für die schnelle Verbreitung des Shamisen, indem sie zur Begleitung desselben eine Eigenkomposition um die Gestalt besagter Joruri vortrug. Diese "Jorurihime Monogatari" genannte Komposition wurde höchst populär und in ihrem Sog entstanden weitere musikalische Stücke ähnlicher Art. All diese Stücke fallen unter den Oberbegriff der joruri.
MENUKIYA Chozaburô, ein Schüler Sawazumi´s, kombinierte kurz darauf das Shamisen mit dem Puppenspiel und wurde damit zum eigentlichen Begründer des bunraku. Sein musikalischer Stil überlebte allerdings nicht im bunraku.
Der heute im bunraku übliche Musikstil wurde von TAKEMOTO Gidayu (1651-1714) begründet, der 1685 seine Schule in Ôsaka eröffnete und in der Folgezeit zusammen mit CHIKAMATSU Monzaemon (1653-1724) eine große Anzahl von bunraku-Stücken kreierte.
Folglich heißt dieser Stil auch gidayu.
Ein anderer Schüler Sawazumi´s, SATSUMA Joun, ging nach Edo und gründete eine Schule, aus der bekannte Meister wie SAKURAI Tanba no Jo, SUGIYAMA Tango no Jo, SATSUMA Jiroemon und TORAYA Gendayu hervorgingen.
SAKURAI etablierte einen martialisch-heroischen Stil namens kimpira-bushi, dessen kriegerische Inhalte besonders der Kaste der Samurai zusagten. Dieser Stil wurde aber bald verboten, weil man die Provokation von Aggressionen befürchtete.
SUGIYAMA, der einen weicheren und eleganteren Stil praktizierte, hatte einen Schüler namens YEDO Handayu, der Begründer des handayu-bushi.
MASUMI Kato, ein Schüler Handayu´s wiederum, begründete den kato-bushi genannten Stil, der ab Mitte des 18. Jahrhunderts etwa ein Jahrhundert lang große Popularität genoß.
TORAYU Gendayu ging dann von Edo nach Kyôto und gründete seine Schule,die einen sehr sanften Stil vertrat und aus der Interpreten wie YAMAMOTO Kakudayu kamen. Ein Schüler des letzteren war MIYAKODAYU Itchu (1650-1724), der den itchu-bushi ins Leben rief.
Einer seiner Schüler, MIYAKOJI Bungo no Jo (1660-1740), der sich in Edo niederließ gründete den sehr populären bungo-bushi genannten Stil. Da die Inhalte des bungo-bushi jedoch sehr häufig Selbstmorde oder Doppelselbstmorde darstellten, befürchtete die Tokugawa-Regierung demoralisierende Effekte auf die Bevölkerung und verbot bungo-bushi.
Vom bungo-bushi leiten sich viele populäre joruri-Stile ab; wie z.B. tokiwazu, das von TOKIWAZU Mojidayu (1709-1781), einem Schüler Bungo´s, geschaffen wurde. Ein Schüler TOKIWAZU´s, TOMIMOTO Buzen no Jo (1716-1764) gründete den sog. tomimoto-Stil; dessen Schüler KIYOMOTO Enjudayu (1747-1825) begründete die kiyomoto-Schule.
Eine weitere erwähnenswerte Schule gründet sich auf TSURAGU Shinnai (1717-1786), einem Schüler FUJIMATSU Satsuma´s; dessen Lehrer wiederum war besagter MIYAKOJI Bungo.
Geschichte der utamono
Aus der Gattung der utamono stammen auch die ältesten Shamisenstücke Japan´s, die oben erwähnten ryûkyû kumiuta.
Besagter SAWAZUMI Kengyo übernahm diese von den Ryûkyûinseln importierten Lieder bevor er das Shamisen auch zum Vortragen der joruri benutzte.
Nachdem die ryûkyû kumiuta nach und nach japanische Inhalte erhielten wurden sie bald nur noch kumiuta genannt.
Einige Jahre später, zu Zeiten des Shogun Iemitsu, popularisierten die blinden Musiker YANAGAWA und YATSUHASHI die sog. jiuta, was etwa „örtliche Lieder" bedeutet. Gemeint ist das Entstehungsgebiet der Lieder in der Kamigata-Region, dem Gebiet um Kyôto und Ôsaka. Die Inhalte dieser Lieder waren populären Volksweisen entlehnt oder trugen zumindest den Charakter von diesen.
Sehr schnell wurde das Shamisen auch als Begleitinstrument für sog. kouta (= kurzes Lied) benutzt; dies waren ursprünglich ohne instrumentale Begleitung gesungene, kurze Volksweisen. Die Bezeichnung kouta wird auch im allgemeinen für Kinder- und geishalieder verwendet. Seitdem bezeichnet kouta aber ebenfalls diese Art Shamisenmusik.
Die kouta wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts in das in Mode kommende kabuki übernommen und gewannen immer mehr an Länge, entsprechend den zeitlichen Erfordernissen des kabuki.
Den derart entstandenen Stil nannte man analog nagauta (=langes Lied).
Allerdings wurde auch ein bereits bestehender Stil namens ozatsuma-bushi für das Kabuki adaptiert, leicht variiert und wird seither zu den nagauta gezählt. Auch Einflüsse der sog. naniwa-bushi sind vorhanden. Begründet wurde ozatsuma-bushi von SATSUMA Jiroemon, einem Schüler von SAWAZUMI Kengyô.
Außer nagauta finden auch tokiwazu und kiyomoto im kabuki Verwendung, jedoch ist nagauta der vorherrschende Stil. Das Shamisen ist nach dem eigentlichen Schauspiel und dem Gesang das wichtigste Element des kabuki.
Im Kabuki sitzen bis zu 30 Shamisenspieler hinter der eigentlichen Schauspielbühne auf einer erhöhten Bühne, was nicht zuletzt einen spektakulären Effekt hat. Das Shamisen gehört hier zu einem Ensemble von nô-Instrumenten, dem sog. hayashi.
Wie häufig in der japanischen Musikgeschichte wurde auch die Shamisenmusik des kabuki von einer Gilde dominiert, nämlich von der kineya-ryû, die seit 1648 in Kyôto und seit 1657 in Edo existierte und aus der gefeierte Shamisen-Interpreten stammten.
Ungefähr gleichzeitig mit den nagauta entstanden die sog. hauta (Anfangslieder), die sich aber bald zu Musik der Halbwelt entwickelten und dadurch bis Mitte des 19. Jahrhunderts viel an Popularität eingebüßt hatten.
So reformierte der Musiker UTAZAWA Sasamaru (1797-1857) auf Betreiben des Shogun diesen Stil, hauptsächlich indem er den Texten die Obszönität und Vulgarität nahm.
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