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Ero-Manga
Japanische Erotik-Comics

Von Andreas Fels

Im Laufe der achtziger Jahre kamen neue manga-Genres auf den japanischen Markt, die vor allen Dingen sexuelle Darstellungen als Gegenstand hatten: Zum einen die auf die bereits populären Mädchencomics reagierenden Lady`s Comics mit stereotypen Geschichten um Büroarbeit, Eheleben und Fremdgehen mit drastischen Sexszenen und die für die männliche Leserschaft gedachten Ero- oder Pornomanga (Auch Hentai - Manga, Ecchi oder H-Manga genannt).

Ero-Manga sind von den Verkaufszahlen her sehr erfolgreich und tragen Titel wie Pink Parsley, Hot Pants und Lemon Angels oder für den speziellen Geschmack Piercing Club oder Black Market (Sado-Maso) und zeigen, in drastischerer Form als die Shôjo-Manga (auch diese für 11-13 jährigen Mädchen gedachten Comichefte zeigen einige Nackt- und Bettszenen) und Lady´s Comics Sex in allen möglichen und unmöglichen Spielarten und Paarungen. Besonders beliebt (und durch die Medien auch bei uns bekannt) sind die manga des Untergenres rorikon (rori= Lolita, kon= Komplex).

Aber auch in den „normalen" Ero-Mangas sehen die weiblichen Figuren meist jünger aus, als es von den Geschichten her der Fall sein kann. Dies hat gesetzliche Gründe. In dem vor wenigen Jahren überarbeiteten Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches war die Verbreitung, der Verkauf sowie die Auslage von „obszönen" Druckerzeugnissen verboten. Dies bezog sich vor allen Dingen auf die präzise Abbildung von Schamhaaren, Genitalien sowie Geschlechtsverkehr. Dies galt für die Darstellung von Erwachsenen, nicht aber von Kindern. Auf diese Art und Weise konnte Zensur umgangen werden. Dies mag ein Faktor von vielen sein, der den Lolita-Komplex mit geprägt hat.
Was mag aber der Reiz an solch jungen Mädchen für die männliche Leserschaft der rorikon sein? Manga-Experte Jack Seward beantwortet die Frage mit der Annahme, daß „diese Mädchen in der männlichen Phantasie leichter zu dominieren seien und daß sie wegen ihrer Jugend und sexuellen Neugierde in dem männlichen Leser den Drang aufkommen ließen, sie in die Freuden des Sex einzuführen". Der Wahrheitsgehalt dieser Annahme mag dahingestellt bleiben. Sicher ist aber, daß diese Lolita-Heftchen am stärksten von den polizeilichen Zensoren beanstandet werden.

Betrachtet man einen Ero-Manga, so wird einem der beinahe selbstverständliche Umgang mit Gewalt (oft in Form von Vergewaltigungen) und sado-masochistischen Praktiken ins Auge fallen. Gewalt ist ein Element, das seit den sechziger Jahren generell im Medium Manga eine immer größere Rolle spielt. „Gewaltsame Manga dienen offensichtlich als Kompensationsmedium erlebter Zwänge, ohne daß die Gewalt in die Alltagswirklichkeit übertragen wird [...] Schönheit entzieht sich den Maßstäben von Gut und Böse [und..] Erotik steigert sich durch Gewaltsamkeit" (Berndt 1995).
Verständlich, daß dies nicht jedem gefällt und daß von den Sittenwächtern eine von diesen Comics ausgehende Gefahr für die Jugend gesehen wird. Die „Elternvereinigung zum Schutz der Kinder vor Comic-Büchern" wollte durch Unterschriftensammlungen und kommunale Eingaben alleine im November/Dezember 1990 930 verschiedene Manga indizieren lassen. Der Protest ging neben Gewaltdarstellungen auch gegen „die unsittliche Erziehung der Jugendlichen" und die „Kommerzialisierung des weiblichen Geschlechts".
Durch ihren Protest haben sie erreicht, daß seit 1991 solche Comics mit dem Aufdruck „Seinen Komikku" (=Erwachsenencomic) versehen werden müssen.

Literatur zum Thema
Berndt, Jaqueline: Phänomen Manga. Comic-Kultur in Japan. Berlin: Edition q 1995.
Seward, Jack: Japanese Eroticism. A Language Guide to Current Comics. 2. Auflage. Houston: Yugen Press 1995.

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