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Shall we dance?

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Shall we dance?

Kritik: Andreas Fels

   
Shall we dansu, Japan 1998, 119 Min.

R
: SUO Masayuki
K: KAYANO Naoki
M: SUO Yoshikazu
D: YAKUSHO Koji (SUGIYAMA Shôhei, der Workoholic, der tanzen lernen möchte), KUSAKARI Tamiyo (KISHIKAWA Mai, die junge Tanzlehrerin), EMOTO Akira (MIWA Toru, der "Perückenmann", Meister der Rumba),TAKENAKA Naoto (AOKI Tomio), WATANABE Eriko (TAKAHASI Toyoko), TOKUI Yu (HATTORI Tokichi)

Erhältlich in synchronisierter Fassung.
Verleih Deutschland: Buena Vista International

„An Masayuki Suos ausführlicher Schilderung von Tanzlektionen werden vor allem die Freunde des Tanzsports und des Turniertanzes ihre Freude haben."

Gottseidank lag die NZZ hier mit ihrer Kritik falsch. Hätte ich sie gelesen, bevor ich den Film im Kino gesehen habe, hätte ich mir den Film sicherlich geschenkt. Also vorab: "Shall we dance?" ist eine japanische Gesellschaftskomödie, die auch ohne weiteres Vorwissen oder spezielle Vorliebe für Japan oder die Tanzkultur gesehen, verstanden und genossen werden kann.

Laut Definition vieler deutscher Halbwissender gibt es in Japan zwei Typen Männer: Die mehr als emsigen Arbeiter und die sexuell Perversen. Während wir - konkludent - die Hauptfigur dieses Films, SUGIYAMA Shôhei, eher der ersten Gruppe zuordnen möchte, steckt ihn die japanische Gesellschaft eher in die Zweite: Tanzen, vor allen Dingen mit einer fremden Frau, schickt sich nicht. Auch mit der eigenen Frau das Tanzbein zu schwingen und Hüfte an Hüfte übers Parkett zu walzern, ist höchst ungezogen und gehört nun überhaupt nicht in die Öffentlichkeit: Die körperliche Nähe der Tanzpartner würde anstößig wirken und zum Zusehen genötigte Mitmenschen beschämen.
Mit diesem Umstand wird der Zuschauer gleich zu Anfang des Films durch eine Texteinblendung (oder einen Off-Text? Ich weiß es wirklich nicht mehr) vertraut gemacht, bevor er nun eben jenen Herrn SUGIYAMA kennenlernt, dessen tägliches Leben einem festen Plan zu folgen scheint:
Morgens in aller Frühe aufstehen, selber Frühstück bereiten, auf das Fahrrad schwingen und zur Bahnhaltestelle, um dann eine Weile mit der Bahn nach Tôykô reinzufahren. Dort ins Großraumbüro und dann am Computer dem ewig gleich langweiligen Job nachgehen. Auch ein Ausgehen mit Arbeitskollegen bereitet ihm nicht recht Freude: Für gewöhnlich fährt er von dort aus, nach einem Höflichkeits-Drink, wieder schnell nach Hause.
Seine Frau kann sich nicht so recht über diese Gesellschaft freuen: Auch wenn ihr Mann es nicht zugibt, wirkt er auf sie traurig und abgespannt und sie wünscht sich, daß er es mal so richtig krachen lassen würde, auch einmal von ihr aus einer Karaoke-Bar abgeholt werden müsse, weil er nicht mehr richtig geradeaus schauen, geschweige denn laufen könnte...

Diese Träume bleiben ebenso unausgeprochen, wie unerfüllt. Doch soll ein Abend das Leben SUGIYAMAS dennoch radikal verändern: Eines Abends steht er, abgespannt von der Arbeit, an einer Bahnhaltestelle und wartet. Und dann: An dem Fenster einer Tanzschule steht eine - wenigstens für Shôheis Geschmack - gutaussehende Frau und blickt gedankenverloren hinaus in die Nacht über der Großstadt.

Wir kennen den Titel des Films, also wissen wir, was jetzt kommen muß: Shohei muß dieses wunderbar faszinierende Geschöpf kennenlernen und besucht, zunächst noch mit Scham und Zweifel beseelt, die Tanzschule in der sie als Tanzlehrerin arbeitet, weniger in der Hoffnung das Tanzbein zu schwingen, als eben jenes von der mysteriösen Fenstersteherin in tänzelnder Bewegung zu beobachten.

Anstelle von Mai, der angeschwärmten Jungen, erhält er aber eine nette, aber eben nicht angeschwärmte Senior-Lehrerin. Shall we dance?- FilmplakatAuch nachdem er nach einer relativ direkten Kontaktsuche in Richtung Mai von derselben einen noch direkteren und auffällig unjapanischen Korb erhält, packt ihn dennoch der Ergeiz, nun richtig tanzen zu lernen, um Mai und sich seine Durchhaltekraft zu beweisen. Das für ihn harte Training wandelt sich in Spaß und der Tanz gibt seinem bis dahin freudlosen Leben fortan eine Perspektive und zaubert ein Lächeln auf seine sonst so mißmutig geschürzten Lippen. Eine Tatsache, die seine Frau nun mißtrauisch macht...

Eine Kritikerin von einer Schweizer Kinozeitschrift schrieb über diesen Film, daß seine Figuren sehr blaß gezeichnet seien. Glauben Sie ihr kein Wort. "Shall We Dance?" ist einer der Filme, die bis in die kleinste Nebenrolle wirklich hervorragend besetzt sind. Besonders sticht der "Perückenmann" MIWA ins Auge, der von EMOTO Akira wunderbar lebendig und buchstäblich mit einer Drehung der Perücke abwechslungs- und ideenreich gespielt wird.

Autor Manfred Müller schrieb im SPIEGEL: "Die Balance des Films liegt in der Spannung dieser so entfernten und doch wesensverwandten Seelen, die erst langsam lernen, die starren Fesseln ihrer Schicksale zu lösen."
Da hat er recht und seine Möglichkeit gefunden, mit mir übereinstimmend zu sagen, daß der Film prima ist und Spaß macht.

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