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Hey, schauen sie nur, was für einen verdammt großen BEEP ich habe!
FUJITA Yoshiyasu läßt's in "Bleep Brothers" zünftig krachen

Kritik: Andreas Fels

Könnten Sie sich in die Hose machen vor Lachen, wenn zwei Männer - einer groß gewachsen und halbwegs attraktiv und einer klein, bebrillt und weniger attraktiv - auf einer Bühne stehend die Namen von Körperteilen hinausbrüllen, die die meisten von uns gemeinhin mehr oder minder züchtig unter Unterwäsche verbergen? Dann sind Sie entweder mit einem beneidenswert einfachen Humor beseelt oder 13 Jahre alt, aber zumindest die ideale Zielgruppe des Sundance- Festival- Abräumers "Bleep Brothers". Die TV „Show” der Filmbrüder beschränkt sich eben genau auf die Nennung dessen, was zwar jeder hat oder gerne anschaut, aber im Fernsehen nun mal nicht namentlich hinausposaunt wird.
   
Pi Pi Kyôdai, Japan 2001

R
: FUJITA Yoshiyasu
Drehbuch: FUJITA Yoshiyasu
Kamera: MASANOBU Seike
Soundtrack: Ôi Hideki, Fujita & KIRA Tomohiko
D: Kentarô Seagal (Tatsuô), Zenjirô (Ikuo), Mireiyu (Fumie), KISHIBE Ittoku (Vater), TANAKA Yuko (Mutter), KAGAWA Teruyuki (Arisawa), KIDA Tarô (Koyanagi), KOBAYASHI Asako (Miki)
Verleih (Deutschland): Cinema 10

124 Minuten (Farbe).

Filmplakat (USA/ Europa) Bleep Brothers

Und wenn eben zwei Männer - Steven Seagals Sohn Kentarô als Tatsuô (wir lernen: schauspielerische Begrenzung auf nur eine Miene ist nicht vererbbar!) und Ex- Manzai- Comedian Zenjirô als dessen kleiner Bruder Ikuo - auf der Fernsehbühne stehen und alles was man von ihnen hört, ein einziger Beep-Ton unterbrochen durch ein paar Hilfsverben und Adjektive ist, dann ist das witzig. Zumindest, wenn der Zuschauer nicht so naiv ist zu glauben, dass man diese theoretisch noch recht amüsante Ausgangssituation auf einen abendfüllenden Spielfilm mit medienkritischem Anspruch strecken kann.

Doch eins nach dem anderen: Tatsuô und Ikuo wollen sich ihren Lebensunterhalt als Manzai-Komiker verdienen. Manzai ist eine Zwei- Mann- Dialog- Standup- Comedy, die größtenteils mit Einzeilern arbeitet und bei der eine feste Rollenverteilung vorliegt. Einer der beiden manzaishi ist dabei der boke, der Blödmann, der das Publikum mit Unfug und Tölpelhaftigkeit erfreut. Das Gegenstück ist der tsukkomi, der dem boke die Stichwörter gibt, besonders Dummes erfolglos zu korrigieren versucht und sich durch weitere verbale Torheiten seines Gegenüber, die in sich aber logisch schlüssig sind, irgendwann im Erklärungsnotstand befindet. Bei unseren Brüdern gibt Ikuo den tsukkomi, der auch alle Texte des Duos schreibt und Tatsuô den Kurzdenker.

Die ungleichen Brüder stoßen bei ihrer Absicht, mit Lachern Geld zu verdienen, schnell auf ein ernstzunehmendes Hindernis: Niemand möchte über ihr Manzai lachen. Um über die Runden zu kommen, helfen sie daher im elterlichen Bestattungsunternehmen aus und treiben ihren Herzenswunsch abends in einem schäbigen Strip-Club voran, in dem sie sich als Pausenclowns verdingen. Beides hat neben Geld und Erfahrung auch zwei weitere Vorteile: Ikuo lernt auf einer Beerdigung Fumie (Mireiyu) kennen und lieben und Tatsuô erkennt an einem besonders trüben Abend auf der Bühne, dass sich ungehemmte Lacher mit der vulgärsprachlichen Bezeichnung der weiblichen primären Geschlechtsteile einfahren lassen. Da dreckige Wörtchen allein das Publikum nicht lange gefangen halten, werden diese in Geschichten von angeblichen sexuellen Eskapaden des Großen eingebettet. Das hat Format, findet zumindest der dringend nach einem neuen Erfolgskonzept dürstende TV-Regisseur Arisawa (KAGAWA Teruyuki), und stellt die beiden vor eine Kamera.

Auch wenn das japanische Fernsehen allgemein nicht zimperlich ist in der Darstellung von Gewalt und Nacktheit, leistet es sich - wie das US-Fernsehen - die Bigotterie, verbal Anzügliches zu frivol und jugendschädigend zu finden und mit einem vornehmen Piepton zu überdecken. Und genau das Fehlen des vorstellbaren Ordinären macht den Erfolg des neuen Formates aus und das Manzai- Duo wird in Kürze zu den gefeierten Bleep Brothers.

Leider beschränkt sich die Medienkritik, die Regisseur und Drehbuchautor FUJITA der offiziellen Internetseite zufolge als Kernpunkt des Films ansieht, auf eben diese Scheinheiligkeit der Medien und der Ausnutzung ihrer Mechanismen. Aufgefüllt werden die insgesamt 102 Filmminuten durch die Entfremdung der Brüder mit Anstieg ihres Erfolgs, Ikuos Liebesgeschichte und Tatsuôs Einsamkeit, die er trotz aller One- Night- Stands, die er hat, verspürt. Dabei kann sich der Film in weiten Teilen nicht recht entscheiden, ob er nun bissige Medienkritik, Komödie oder Drama sein will. Am Ende ist dann nichts aus dem eigentlich guten Ansatz geworden, außer einem Spielfilm, bei dem man als Zuschauer zu häufig auf die Uhr schaut.

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