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Angkor-Verlag, Herausgeber des "bizzaria"-Buchs (D)

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Die Otometics der Bambussprossen- Generation*

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Die Otometics der Bambussprossen- Generation*
Das "bizzaria"- Ratgeber- Büchlein hilft bei japanischen Eigen- und Redensarten auf die Sprünge

Von Andreas Fels

Manchmal ist der Alltag mit Japanern für uns Langnasen schon komisch: Chiaki wirft einen ihrer Schuhe bis knapp unter die Decke und starrt gebannt auf die Position, die der Schuh nach dem Aufschlag einnehmen wird. Verkehrtherum, also mit der Sohle nach oben liegt er da - verdammt, morgen gibt's schlechtes Wetter. Doch das orakulöse Ungemach ist schnell vergessen, denn Chiaki hat Hunger und zwar "Peko Peko", was onomatopoetisch für einen übel knurrenden Magen steht.
   

Damenslips als Artikel für Sammler: Titel von "bizzaria"
Bild © Angkor Verlag

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Eine seltsame Welt, möchte man meinen, der man entweder auf dem Weg der Erfahrung begegnen kann oder durch einen vorbereitenden Blick in das jüngst erschienene Büchlein "bizzaria. 555 japanische Eigenarten und Mafia-Adressen".
Der Titel des Buches und die Aufmachung des 84 Seiten dünnen Paperbacks, dessen Vorderseite das Bild eines eingeschweißten, pinken Damenslips zeigt (eine auch an Automaten verkaufte Spezialität, besonders in getragener Form), deuten an, dass dieses Buch nicht gedacht ist, um soziologische Welten zu verschieben, sondern in erster Linie um zu unterhalten und das eine oder andere "Aha, also so ist das" und "Ist ja irre" zum Leser zu transportieren.

An der Nase eines Mannes, erkennt man seinen Johannes. Sicher, Weisheiten wie diese haben auch unseren Kulturraum durchdrungen. Japaner kennen aber auch für das andere Geschlecht eine Möglichkeit der augenscheinlichen Proportionierung der Untergürtellinie-Anatomie durch den bloßen Blick auf die Ohren der Bettgefährtin in spe: Der Ausgang des Gehörgangs soll Aufschluss geben über die Enge der Scheide. Auch wenn "bizzaria" einige Begrifflichkeiten aus dem zwischenmenschlichen Bereich abgrast, bietet die bunte Sammlung auch noch andere Kuriositäten des japanischen Sprachgebrauchs. Dies gilt vor allen Dingen für die Fülle von Japanisch-Englischen Begrifflichkeiten, die in dem Buch von YAMADA Taro und Guido Keller kolportiert werden. In den Superlativ gesteigerte Nomen wie in dem Werbeslogan eines Baulöwen - "home, homer, homest" - und substantivierte Verben wie "healthing" (JE-Ausdruck für das Erholen nach einer Krankheit), mögen zwar jedem Englischlehrer die Haare zu Berge stehen oder gar ausfallen lassen, zeigen aber eindrucksvoll das kreative Potential und die Erweiterungsfähigkeit der japanischen Sprache.
   

Ein weiteres schönes Beispiel für Japanese English, das in Tôkyô entdeckte Mode- und Spielwarengeschäft "Horse Shit".
Bild: © Andreas Fels

Neben den Eigenheiten, die der japanischen Lesart folgend als "Japanische Eigenarten von Z bis A" von hinten nach vorne aufgelistet sind, haben Autor und Herausgeber auch einige aus unser Sicht kuriose Kleidungsaufdrucke und Markennamen (wie "Horny remover" als Name eines Hornhautentferners), einen Zeitungsartikel über Japanisches Englisch sowie, ein paar hilfreiche Worte für Sexsuchende und -habende (wie bakku, womit die "Hundestellung" gemeint ist), Ausdrücke der Ganovensprache und - wohl eher für Abenteuerlustige - Adressen der Yakuza zusammengetragen. Wem auf Partys mit Japanern dennoch die Gesprächsthemen ausgehen, der kann noch auf die Liste der 20 beliebtesten Showkünstler zurückgreifen, mit denen "bizzaria - der etwas andere Sprach- und Reiseführer" schließt.

Braucht man dieses Buch? Zum Überleben in Japan sicherlich nicht, aber es könnte dem Leser so manche ungewöhnliche Situation in Japan - wir erinnern uns an Chiaki und ihren meteorologischen Schuh -in ein warmes Licht des Verstehens tauchen. Besonders wenn er in Kyûshû am Beckenrand eines onsen (eines traditionellen, sehr heißen Bades) steht und auf einem Schild die gut gemeinte Warnung "Beware, you will be boiled" liest. Kurzum: Ein weiteres Buch der Gattung "Irgendwie schräg, diese Japaner", aber durchaus kurzweilig und amüsant.

* Als Otometics bezeichnet man Frauen, die sich übertrieben niedlich geben. Von otome (Frau) und romantic. Mit "Bambussprossen Generation" (takenoko zoku) betitelte man die Jugendlichen der 70er und 80er Jahre.

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