Japanlink Logo
 
AktuellesMedienund KulturLand und LeuteGeschichte und PolitikÜber Japanlink
AuswahlStartseite

Verwandte Themen
Die Wurzeln des Buddhismus

Druckerversion
Shintô

Suchen


Gästebuch
Japanlink Forum
Kontakt
Impressum
Umfrage





| r e l i g i o n |

Shintô
Die einheimische Religion Japans

(Seite 4 von 5)

<< zurück zu Seite 3

Das Engishiki spiegelt so wider, wie sehr sich das Staatskultwesen seit dem jingi-ryô weiterentwickelt hatte.

Eine große Rolle spielten auch die Klane der NAKATOMI und der IMBE. Der Klan der NAKATOMI stellte dabei oft den Leiter desjingikan, der der IMBE, der immer etwas hinter den NAKATOMI zurückstehen mußte, den eines Ober- oder Unterstellvertreters. Bei den großen Festen des Hofes fungierte der Führer der NAKATOMI als Rezitator des zu intonierenden norito, des Bittgebetes, und der Führer der IMBE brachte dazu die vorgeschriebenen Opfergaben den Gottheiten dar. Es war sozusagen die vererbte Aufgabe dieser Klans, den Kult zu pflegen, weshalb Naumann sie mit Fug und Recht als "Kultfunktionäre" bezeichnet. Neben der Beamtenschaft des jingikan entstand auch an den großen Schreinen eine überbordende Verwaltung-, dieser stand der kannushi ("Götterherr") oder einjinai ("Schrein-Amtswalter") vor. Wohl um die Unterordnung aller Gottheiten unter dem göttlichen Herrscher deutlich nach außen zu demonstrieren, wurden den Gottheiten Ränge verliehen, die den weltlichen Hofrängen völlig entsprachen.
Ein Aufstieg im Rang konnte durch Verdienste erreicht werden, die die Gottheit sich beim Kaiser erworben hatte. Allerdings waren die Ränge seltsamerweise an den Schrein der Gottheit gebunden; wurde eine Gottheit also in mehreren Schreinen angebetet, so konnte ihr Rang von Schrein zu Schrein variieren.

Neben der bereits erwähnten Amaterasu-ômikami von Ise waren besonders die Schreine in Izumo und Kamo von Bedeutung. Zu allen dreien wurden bei Regierungsantritt eines neuen Herrschers eine Kultprinzessinnen geschickt (nach Kamo allerdings erst deutlich später ab Anfang des 9.Jahrhunderts). In Izumo waren die wichtigsten Gottheiten des Izumo-Mythenkreises eingeschreint: Take-haya-Susanowo und Ôkuninushi ("Großer Herr des Landes"), in Karno verehrte man vor allen Dingen Wake-ika-tsuchi, einen Donnergott. Die Gottheit Wake-ika-tsuchi war verbunden mit den Hata, einer japanisierten koreanischen Adelsfamilie mit großem Einfluß. Das Kamo-Fest war ein beim Volk beliebtes Großereignis mit vielen Tänzen, unter anderem der berühmte Löwentanz, shishimai, und Musik. Dies sollte nicht nur dem Publikum Freude machen, sondern zudem schadensabwehrend wirken, allerdings ging der eigentliche Ritus drei Tage vorher vonstatten - im wesentlichen handelt es sich um eine Zeremonie, bei der die Gottheit sich auf einem Sakaki-Zweig niederläßt und so in den Schrein geleitet wird.

Eine weitere Gottheit, die immer wichtiger wurde, war Yahata oder auch Hachiman ("Acht Banner"). Er wurde besonders in politischen Dingen um Hilfe angerufen, allerdings sagte er auch beim Guß des Großen Buddha, einer 16 Meter hohen Bronzestatue, seine Hilfe zu. Der größte Verdienst Hachimans war es aber wohl, als er durch einen Orakelspruch verhinderte, daß ein Mönch namens Dôkyô die Macht an sich riß; diesem war es gelungen, nicht nur zum Vertrauten der Kaiserin Shôtoku (regierte von 764-770) aufzusteigen, sondern wohl sogar zu deren Geliebten. Im Jahre 769 versuchte er, die Kaiserin zu überreden, zu seinen Gunsten abzudanken, daß heißt, er wollte als Gemeiner zum Kaiser aufsteigen. Selbst die Kaiserin, obwohl Dôkyô eigentlich gänzlich verfallen, wurde ob dieses hochfliegenden und ungeheuerlichen Ansinnens nachdenklich und schickte einen Boten zum Hachiman-Schrein. Von dort kam folgender Spruch der Gottheit zurück:

In unserem Staat ist seit Anbeginn der Welt festgesetzt, wer Fürst und wer Untertan. Daß man einen Untertan zum Fürsten machte, daß hat es noch nicht gegeben. Allein durch die himmlische Sonnenerbfolge wird die Linie der Kaiser erstellt. Man soll Thesen sittenlosen Menschen schnellstens entfernen!

So konnte der dreiste Versuch Dôkyôs abgewehrt werden, obwohl Shôtoku-tennô bis zu ihrem Tod ihn vor Bestrafung schützte. Man sollte ergänzen, daß der Klan der Hata großen Einfluß im Hachiman-Kult hatte; selbstverständlich neideten die Hata, wie alle Hofadligen, dem Aufsteiger aus dem einfachen Volk seine einflußreiche Position, Als dieser dann den Bogen Überspannte, nutzten sie die Situation zur Ausschaltung Dôkyôs. Zum Dank für alle bisher genannten Dienste wurde Hachiman nach und nach in den 1.Prinzenrang (dem höchsten Rang) erhoben und erhielt zudem immer wieder kostbare Geschenke und andere Ehrungen, wobei sich immer wieder eine Orientierung zum Buddhismus zeigte; auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung wurde Hachiman 781 durch Kônin-tennô der Titel beziehungsweise Name "Gokoku reiken iriki jinsû daibosatsu" verliehen.

Ich möchte an dieser Stelle zum Glauben an die goryô ("erlauchte Wirkkraft") kommen. Hierbei handelt es sich um die unruhigen Geister zu früh oder durch Unrecht Verstorbener. Eine allgemein öffentliche goryô-Feier gab es zum ersten Mal 863 in Kyôto, die man Sudô-tennô (750-785), verstorben als Kronprinz Sawara und postum in die Kaiserwürde erhoben, und anderen zu Ehren abhielt. Prinz Sawara war gemeinsam mit anderen in eine Intrige geraten, und sie alle waren unter dem Vorwurf der Rebellion offiziell verbannt worden, jedoch starben bald darauf alle hintereinander unter etwas mysteriösen Umständen. Darauf folgte eine Zeit mit vielen Seuchen und Naturkatastrophen, von denen man glaubte, dies wäre die Rache der Unschuldigen, die sich nicht nur gegen die eigentlichen Täter, sondern gegen alle richtete. Um sie zu besänftigen und ihnen eine schnelle Erlösung im buddhistischen Sinne zu ermöglichen, ordnete schließlich der Kaiser selbst eine Feier, bei der in einem Garten des Palastes Musik, Tanz und andere Vergnügungen dargeboten wurden und die für das ganze Volk zugänglich war, an, jedoch wurde dies so positiv aufgenommen, daß die Zahl der privat das ganze Jahr über durchgenommen goryô-Feiern stark zunahm und schließlich diesbezüglich Verbote erlassen werden mußten. Aus dem goryô-Kult stammt auch die Anbetung des Tenunan tenjin ("Die den Himmel erfüllende, große Gottheit"); es handelte sich dabei um keinen geringeren als den früheren Kanzler zur Rechten SUGAWARA no Nûchizane (845-903).
Dieser wurde im Jahre 901 unter dem Vorwurf einer politischen Intrige verbannt und starb einige Zeit darauf erst 58jährig an Unterernährung und Erschöpfung im Exil. Außer Nûchizane selbst wurden auch andere Familienmitglieder bestraft und verbannt, unter anderem sein kleiner Sohn, den er mit ins Exil genommen hatte. Einige Jahre nach Nûchizanes Tod nun wurde das Kaiserhaus und die Fujiwara-Familie von einer Reihe Todesfälle heimgesucht, dies betraf ausgerechnet die für Nûchizanes Unglück Verantwortlichen. Man war sich daraufhin sicher, daß Nûchizane als Rachegeist, als goryô, umgeht und durch Wiedergutmachungen beredet werden muß. Nachdem man ihm 947 einen Schrein in Kitano erbaut hatte, tritt allmählich eine Wandlung ein: aus dem zürnenden, dämonischen Geist wird Temman tenjin, der Gott der Dichter und Literatur und Bechützer der unschuldig Angeklagten, die Befriedung war also offenbar erfolgreich.

Fast schon eher eine weitere Möglichkeit zu Vergnügungen, nicht so sehr zu feierlichen Zeremonien, stellte das Abhalten von kôshin-Tagen dar. Diese kamen sechsmal im Jahreskalender vor, nämlich immer dann, wenn im japanischen Datum die Zeichen für "Metall" () und für "Affe" (shin) zusammentrafen. Ursprünglich aus dem chinesischen Taoismus nach Japan gekommen, glaubte man, daß drei schädliche Würmer, die im Körper des Menschen hausen sollten, an diesem Tag, während der Mensch schläft, dem Himmel von dessen Missetaten berichten würden, woraufhin die Lebensspanne des Menschen vom Himmel verkürzt würde- die Würmer konnten nämlich erst nach dem Tod eines Menschen diesen verlassen und frei sein, weshalb sie ihn auch durch verschiedene Krankheiten umzubringen trachteten. Wollte also ein Mensch verhindern, daß seine Lebensspanne verkürzt würde, mußte er an kôshin-Tagen den ganzen Tag hindurch wach bleiben. Am japanischen Hof überbrückte man die Nacht solcher Tage durch Feste, bei denen zu Musik, Würfel- und Brettspielen, Dichtung und anderem, viel und gut gegessen und getrunken wurde.

Seitenanfang


JAPANLINK
| aktuelles | medien & kultur | land & leute | geschichte & politik | special | über japanlink |
© 1997-2010 by APIX
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung auf Datenträger wie CD-ROM, DVD-ROM und anderen Internetseiten sowie Nachdruck dürfen nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung von APIX erfolgen.