Die einheimische Religion Japans
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Mit anderen Worten: tatsächlich sind sämtliche kami Buddhas oder Boddhisattvas. Diese Idee wurde im Shingon-Buddhismus entwickelt, um eine gegenseitige Arrangierung miteinander zu erleichtern und bald allgemein übemommen.
Sowohl im Shingon- als auch im Tendai-Buddhismus entstanden daraufhin eigene Shintôistische Lehren, nämlich der Ryôbu-Shintô sowie der Sannô-Ichijitsu-Shintô. Buddhistische Tempel aller Schulen nahmen sich kami als Schutzgottheiten, während die Schreine dazu oft Boddhisattvas wählten. Beide Religionen rückten auch geographisch zusammen, oft wurde in der Nähe eines Schreines ein Tempel gebaut und umgekehrt, und es gab schon recht früh "Schrein-TempelKomplexe", jingûji, also Schreinkomplexe, in die ein kleiner buddhistischer Tempel eingebettet wurde. Neben vielen weiteren Verschmelzungen gab es jedoch auch Bereiche im Shintô, die sich strengstens vom Buddhismus distanzierten; beispielsweise mußten die Kultprinzessinnen der großen Schreine in Ise, Izumo und Kamo, auf die ich später noch zurückkommen werde, verschiedene Tabuwörter durch unverfängliche ersetzen, denn man befürchtete spirituelle Verunreinigung. Viele dieser Tabuausdrücke hingen mit dem Buddhismus zusammen: "Buddha", "Sutra", "Pagode", "Tempel", "Mönch", "Nonne", "Fastenmahl", "Buddha-Halle" und "Laienmönch" (die übrigen bezogen sich auf Tod und Krankheit, auf die 'klassischen' Fälle von Unreinheit).
C. Der Volksglaube
In Japan war die Ahnenverehrung allgemein üblich. Jedoch wurde nicht etwa ein Ahn persönlich verehrt, sondern dieser fügte sich in die Reihe der Ahnen ein, die gemeinsam als Ahnengottheit verehrt wurden. Die Ahnengottheit war also eine abstrahierte, unpersönliche Gottheit, die die Ahnen einer Familie kollektiv vertrat.
In einem gewissen Gegensatz zu der Ahnenverehrung stand der allgemeine Umgang mit dem Leichnam. Aufgrund einer außerordentlichen Totenfurcht war das einfache Aussetzen der Leiche im Wald sowie auch ansonsten ein dem westlichen Menschen respektlos erscheinender Umgang mit der Leiche durchaus gebräuchlich. Der Grund hierfür lag in der Vorstellung vom Tod und von der Leiche als etwas Unreinem, an dem man sich, spirituell beschmutzen (kegare: "Beschmutzung") und möglicherweise Krankheiten, schlechte Ernte, Tod und andere Unglücksfälle auf sich ziehen könnte. Deshalb wusch man sich nach dem Umgang mit der der Leiche häufig an einem Fluß, um sich von diesem Schmutz durch äußerliches Abwaschen zu reinigen (misogi: "spirituelle Reinigung" oder harai: "Reinigung"). Dennoch wurde die Leiche täglich von Angehörigen und Freunden besucht, bis sie völlig verwest war- dann wurden die Knochen oft von eventuellen Resten gereinigt ("Knochenwaschen") und entweder beerdigt, zu Pulver zerstampft und verstreut, weggeworfen oder in einem See versenkt.
Unter dem Einfluß chinesischer Sitten entstand bald das mogari (nach Eder: mo: "Trauer", agari: "zu Ende kommen"), bei dem die Leiche nicht mehr im Freien ausgesetzt wurde, sondern in einer Trauerhütte (moya) ein Jahr lang aufgebahrt wurde.
Nach dieser Frist wurden die Reste der Leiche an einem von der Trauerhütte entfernten Ort beerdigt.
Schließlich entwickelte sich ein Zwei-Gräber-System, wobei aus der Trauerhütte das Besuchsgrab (mairi-baka) wurde. Die Leiche selbst wurde im Bestattungsgrab (umebaka) beigesetzt, dem Toten wurde jedoch ausschließlich am Besuchsgrab gedacht- das eigentliche Bestattungsgrab geriet schnell in Vergessenheit. Der Vorteil dieses Systems lag für die Japaner darin, dem Toten die gebührende Verehrung zollen zu können, ohne sich durch die Nähe der Leiche zu beschmutzen und verschiedene Reinigungs- und Meidungsriten durchfuhren zu müssen. War der Mensch schließlich so lange tot, daß sich niemand mehr an ihn persönlich erinnern konnte, so wurde er zum Ahnen. Er erfuhr als solcher Verehrung, aber auch als Teil der Ahnengottheit, zu dem er wurde. Die Ahnengottheit nun wurde, folgt man Matthias Eder, mit vielen anderen Gottheiten identifiziert, mit Feldgottheiten, Berggottheiten Erdgottheiten und anderen.
Die Gottheiten des Volkes waren oft regional, daß heißt, es gab in jedem Dorf einen eigenen Feldgott, jeder Berg hatte seine eigene Berggottheit und so weiter, auch die Verehrung war in der Regel auf kleine Einzugsgebiete beschränkt. Wurden Gottheiten landesweit verehrt, so handelte es sich oft um vom Staat protegierte Kulte, wie zum Beispiel dem der Amaterasu, des Hachiman oder des Temman-tenjin.
Eine sehr zentrale Position im Volksglauben nehmen zweifelsohne die Berggötter ein. Dies zeigt sich auch in den Mythen des "Kojiki" in denen von recht vielen Berggottheiten erzählt wird. Man muß allerdings zwischen den Berggottheiten der Jäger und den der Bauern unterscheiden, erstere waren wilde Götter, Herrscher und Besitzer aller Tiere, die man verehren mußte, damit eine Jagd erfolgreich verlaufen konnte. Im Zuge der Entwicklung zu einer Ackerbaukultur wurden die Berggottheiten der Jäger auch zu Schutzgöttern für das Vieh, gleichzeitig jedoch gewannen die Berggottheiten der Bauern an Bedeutung. Diese wurden gleichzeitig als segenspendende Feldgottheiten verehrt, denn man glaubte, daß die Berggottheiten alljährlich vor der Aussaat und nach der Ernte vom Berg herabkämen, Segen spenden beziehungsweise Opfergaben entgegennehmen und danach in die Berge zurückkehren würden. Weil in den Bergen auch die Ahnen vermutet wurden und diese ebenso als segenspendende Beschützer ihrer Familien galten, wurden auch die Ahnengottheiten mit den Berggöttem identifiziert. Hinzu kam, daß die Berggottheiten jedes Neujahr mit Hilfe von Jahresbäumen (toshigi), auf denen sie sich niedergelassen hatten, ins Haus gebracht wurden und dort als Jahresgottheiten (toshigami) verehrt wurden. Es fällt ins Auge, daß, dem Zwei-Gräbersystem des Totenkultes und der damit verbundenen Ahnenverehrung sehr ähnlich, zum Kult einer Berggottheit zwei getrennte Schreine gehörten: einer, der sato-miya ("Dorfschrein") in der Nähe des Dorfes, der andere, der yama-miya ("Bergschrein") in den Bergen. Der Kult der Berggottheiten zeigt so auf signifikante Weise die Folgen des Fehlens einer festgelegten, ordnenden Lehre. Ähnliches gilt auch für die Erdgötter (iigami), die ebenso mit den Ahnengöttern in Verbindung gebracht wurden. Einem Erdgott errichtete man in einer Ecke hinter dem Haus unter einem Baum einen kleinen Schrein aus Stein, oder man betete zu einem Erdgottbaum (iigamiki) im Wald, an dessen Fuß man einen Stein, eine kleine Stupa oder eine Jizô-Statue aufstellte. Besonders letzteres wirft ein Schlaglicht auf eine Beziehung der Erdgötter zum buddhistischen Jizô.
Ein anderer wichtiger Gottypus war der des Weggottes (dôsojin). Eder stellt in seinem Buch fest, daß es sich möglicherweise um eine besondere Form des Berggottypus handeln könnte, so wurden beide oft als in einem runden Stein verkörpert vorgestellt. Die Weggötter wurden als an Wegkreuzungen wohnende Gottheiten betrachtet, die Unglück vom Dorf abwenden konnten, Weggötter betete man daher auch als sai no kami an, als "Abwehrgötter". Als Dorfgottheit erfuhr ein Weggott Verehrung als Gott der Harmonie im Dorf und des Familienfriedens. Das Weggötter auch im Staatskult einige Bedeutung hatten, belegen die im Altertum staatlich angeordneten "Weggelagefeste". Zuletzt sollen noch Gottheiten der Fischer, unter denen der "Drachenkönig" (Ryûô) und die Schiffsgottheit, Funadama wohl die wichtigsten waren, erwähnt werden. Während ersterer als Gott des Meeres allgemein angebetet wurde, verehrte man Funadama speziell als das Schiff vor dem Kentem oder ähnlichem Unbill schätzende Gottheit. Desweiteren glaubte man einen Gott der Fischer, Schiffer und der Reisenden, Kompira, und an Ebisu, eine aus dem Hinduismus eingeführte Gottheit. Funadama, Ryûô, Kompira und Ebisu sind Einzelgottheiten, die überregional verehrt wurden. Ebisu bildete gemeinsam mit einem anderen ursprünglich hinduistischen Gott, Daikoku, ein Glücksgötterpaar. Wir kommen nun zu der Frage der Form der Anbetung der beschriebenen Gottheiten, diese variierte nicht nur von Göttertypus zu Göttertypus, sondern ebenso von Region zu Region und hing vor allen Dingen davon ab, wofür und von wem die Anbetung gewährt wurde.
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