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High-Tech Toiletten
Und der Kontrast zwischen Hi-Tech und No/Lo-Tech in japanischen Haushalten

Von Andreas Fels

Wer nach Japan reist, dem werden viele sonderbare Dinge begegnen, die ihm aus unserem europäischen Kulturraum unbekannt sind: Das sind nicht nur Sitten und Gebräuche oder andere derartige landesspezifische Unterschiede, sondern auch Erscheinungen, die eng mit dem allgegenwärtigen Kontrast zwischen Hi-Tech und No-Tech verbunden sind.
Auch wenn die vorgefaßte Meinung herrscht, Japan sei ein äußerst technisiertes Land, so mag dies auf einige Lebensbereiche wie die des Verkehrs- und Unterhaltungswesens zutreffen, in den normalen Heimbereich ist die Technik meist noch nicht all zu weit vorgedrungen.
So finden sich in japanischen Haushalten beinahe ausschließlich Waschmaschinen, die nur mit kaltem Wasser waschen können (und daher auch aggressivere Reinigungsmittel für den Waschvorgang benötigen) und Gebrauchsgüter wie Geschirrspülmaschinen behelligen selten das Auge. Besonders der Küchenbereich eines durchschnittlichen japanischen Haushalts dürfte nur Nostalgikern Freudentränen in die Augen treiben.

Verläßt man die Küche, so werden einem aufs Haus verteilt allerdings allerlei High-Tech Errungenschaften gewahr: Telefone sehen meist aus wie tragbare Spielkonsolen, sind ähnlich funktionell, blinken mit roten, grünen oder gelben Lämpchen und sind sogar in der Lage, sprachchipgesteuert dem Anrufer oder Anrufenden Informationen zu der eventuell im Telefon integrierten Menüsteuerung zu geben.

Wesentlich verblüffender ist für einen Westler allerdings das Aufsuchen einer Toilette in einem Privathaushalt. Während vor ein paar Dekaden eine Toilette in Japan nichts anderes war als ein in Porzellan gefaßtes Loch im Boden, über dem hockend das entsprechende Geschäft verrichtet wurde (diese Toiletten finden sich auch heute noch, vor allen Dingen in öffentlichen Einrichtungen), ist eine japanische Toilette heute oft sogar weitaus mehr, als unser Porzellan-Thron.

Schon beim Betreten eines gut ausgerüsteten japanischen Klos wird, nach dem Überstreifen der nur für diesen Zweck bestimmten WC-Pantoffeln, der Unterschied augenscheinlich: Links und/ oder rechts vom Toilettensitz befinden sich große Kontrollfelder, mit Knöpfen und Anzeigefeldern für Zahlenwerte. Sollte nicht schon beim Betreten des Raums ein Plastikbezug über die Klobrille gefahren sein (was einige Leser sicherlich auch schon von europäischen, öffentlichen Toiletten kennen), darf der interessierte Benutzer nun, sofern er die Zeichen auf dem Kontroll-Panel lesen kann, die Toilette auf seine individuellen Bedürfnisse einstellen: Temperatur des Toilettensitzes (meist wird Köpertemperatur bevorzugt), Temperatur und Stärke des Wasserstrahls und Wärme und Dauer der oft ebenso vorhandenen Trockenvorrichtung. Derartige Toiletten besitzen eine Bidet-Ähnliche Einrichtung, die nach Justierung durch den Benutzer, punktgenau den Ort-des-Geschehens am Körper des Nutzers durch einen Wasserstrahl reinigt. Die Justierung bedarf allerdings ein wenig Übung auf Seiten des Anwenders, da nassgespritzte Hosen sonst für unerwünscht heitere oder peinlich-pikierte Stimmung sorgen könnten. Nach ordnungsgemäßer Reinigung durch Papier und/oder Wasserstrahl darf nun das Hinterteil einem Finishing durch Warmluft unterzogen werden.

Beim Aufstehen kommt die Toilette bei manchen Modellen auch notorischen, für ihr Umfeld sehr ärgerlichen „Spülvergessern" entgegen, da eine Sensorik nun automatisches Abspülen einleitet.

Neben diesen Reinigungfunktionen bieten moderne japanische Toiletten noch einiges mehr, um die Sitzinstrumente funktionell zu erweitern. Für Leute, die laute Toilettengeräusche nicht für einen Ausdruck von prächtiger Gesundheit halten und diese gerne übertönen möchten, bietet die japanische Sanitärbranche beispielsweise solche Geräte an, die bei Benutzung Geräusche von rauschenden Bächen erzeugen, um die natürlichen Laute zu maskieren.

Andere Ergänzungen sind automatische Raum-Deodorizierer, Toilettendeckel, die sich beim Nähern des Geschäftsbereiten automatisch hochklappen, gründliche, automatische Schüssel-Reinigung und sogar ein höhenjustierbarer WC-Sitz, die die somit bequemere Begebenheit zu einer unvergeßlichen Sitzung werden läßt.

Wirklich nützlich sind solche technischen Erweiterungen der Standardtoilette allerdings erst für alte und gebrechliche oder behinderte Menschen, denen bestimmte Toilettensitze auf Wunsch auch entgegenkommen, d.h. sich vorm Setzen und nach der Verrichtung nach vorne neigen und somit das Besteigen und Verlassen der Toilette erheblich erleichtern können. Auch von starken Hämorrhoiden geplagte Zeitgenossen dürften die sanfte Reinigung durch einen Wasserstrahl sicherlich zu schätzen wissen. Ob oder wann derartige Gerätschaften auch in Deutschland massenweise zum Einsatz kommen, bleibt allerdings fraglich.

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