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MIYAZAKI Tsutomu
Otaku und Serienmörder
Von Andreas Fels
Morgens früh aufstehen, zur Stelle im Büro fahren, den ganzen Tag im ständigen Stress arbeiten, Mittags nur schnell einen Imbiss, abends nach der Arbeit noch in eine Karaoke-Bar mit den Kollegen. Ein solcher Typ ist MIYAZAKI Tsutomu nicht. Er ist einer, der als Otaku bezeichnet wurde, als ein "Merkwürdiger"...
Es ist der August des Jahres 1988 als der damals 25 jährige MIYAZAKI Tsutomu ein vier jähriges Mädchen entführt und in einem Waldstück in einem Tôkyôter Vorort erwürgt. Fünf Monate nach seiner Tat verbrennt er die Leiche des Opfers in der Nähe seines Hauses. Die Asche füllt er sorgfältig in einen Pappkarton und stellt ihn vor dem Haus der Eltern seines Opfers ab. Im Oktober des gleichen Jahres wird ein 7 jähriges Mädchen sein Opfer. Er geht bei diesem Kind in dem gleichen Muster vor, wie bei seinem ersten Opfer: Er entführt sie am hellichten Tage von einer Straße, bringt sie in das Waldstück bei Tôkyô, vergewaltigt und stranguliert sie. Ebenso Dezember 1988: MIYAZAKI überfällt ein 4 jähriges Mädchen in der Saitama Provinz, erwürgt sie auf einem Parkplatz in seinem Auto und vergeht sich in nahegelegenen Waldstück an ihrer Leiche. Nach einer Pause von sechs Monaten mißbraucht er im Juni 1989 ein fünfjähriges Mädchen in Tôkyô und stranguliert sie ebenfalls in seinem Wagen. Bei dem Versuch ein weiteres Mädchen in Tôkyôs Stadtteil Hachioji zu entführen, wird MIYAZAKI Tsutomu von dem Vater des Kindes gestellt und schließlich von der Polizei festgenommen. Er gesteht die vier Morde.
Waren die Serienmorde nach dem gleichen Schema ein willkommenes Thema für die Presse, so gewann nun der Fall überdurchschnittliche Medienpräsenz. Der Grund hierfür: Ermittler hatten in seiner Wohnung 5.800 Videokassetten gefunden, darunter viele Gewalttrick- und Realfilme. Neben dem Realtötungsfilm "Guinea Pig" fanden die Polizisten den japanischen Horrorfilm "A Flower of Blood and Flesh", in dem minutiös gezeigt wird, wie ein junger Künstler ein Mädchen zerstückelt und mit ihrem Blut ein Bild malt. Die Ankläger gehen davon aus, daß die Videos MIYAZAKI zu seinen Handlungen oder zumindest in seiner Handlungsweise inspiriert hatten. Die Beamten fanden in seiner Videosammlung auch eine fünfminütige Aufnahme, die die Zerstückelung eines seiner Opfer zeigt. Hierbei folgte er den Vorgaben des Horrorfilms. Professor OKONOGI Keigo, Psychiater an der Keio Universität, sagt dazu:"... in der Vorstellung MIYAZAKIs wurden reale Welt und Phantasie-Welt möglicherweise ausgetauscht, Ich nehme an, er dachte, seine Opfer seien Puppen oder Charaktere der Filme, die er gesehen hatte." (Vgl. "Straits Times", 18. August 1989). Eine solche Aussage ist natürlich ein gefundenes Fressen, für diejenigen, die ohnehin in dem Gewaltkonsom der Jugendlichen durch Comics und Filme eine Gefahr sehen. Der Ruf nach Zensur oder gar Einstellung einiger gewaltreicher Manga-Serien, welche als man als gefährlich einstufte, wird laut.
Ein beantragtes psychatrisches Gutachten ergibt, daß er trotz der Zeichen einer Persönlichkeitsstörung, der Taten, die er begangen hatte, vollends bewußt sei und zudem auch für seine Verbrechen gerichtlich strafbar gemacht werden könne.
Im Verlaufe der Gerichtsverhandlungen beantragt seine Verteidigung im Jahr 1993 ein zweites Gutachten. Dieses bescheinigt dem Mörder eine gespaltene Persönlichkeit oder Schizophrenie.
Auch wenn MIYAZAKI zu Beginn seiner Verhandlung noch angibt "eigentlich kein Interesse an seinem Prozess zu haben" und sogar noch einmal zugibt, die Verbrechen, die ihm zulast gelegt werden, "wie in einem Traum" begangen zu haben, kann er sich im Verlauf des Prozesses nicht mehr an seine Aussage erinnern und bestreitet sogar, diese jemals gemacht zu haben.
Schuldig befunden der Entführung, des Mißbrauchs und der Tötung vier junger Mädchen in dem Zeitraum zwischen August 1988 und Juni 1989 in den Präfekturen Tôkyô und Saitama wird der Druckereiangestellte MIYAZAKI Tsutomu im April 1997 zum Tode durch Erhängen verurteilt. Trotz des zweiten psychatrischen Urteils befand der vorsitzende Richter TAO Kenjiro, daß sich MIYAZAKI "seiner Morde bewußt war".
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