Interview mit Shodô- Künstler HAMANO Ryuho
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Viele Leute konzentrieren sich zu sehr auf das Schwarze, aber man sollte in gleichberechtigter Weise die weiße Fläche betrachten. Darin besteht ein großer Unterschied des shodô zur Malerei. Nicht allein die bemalte Fläche ist von Bedeutung. Neben der Positionierung der einzelnen Zeichen auf dem Papier sind auch die Abstände zwischen den einzelnen Linien, sowie die Dynamik der Linien wichtig. Asymmetrien und scheinbare Unsauberkeiten sind beabsichtigt. Das ist vielleicht nur schwer zu verstehen, aber ein wesentlicher Bestandteil vieler traditioneller Künste Japans. Zum Beispiel scheint die klassische japanische Musik verglichen mit Werken von Mozart oder Bach voller Disharmonien zu sein.
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HAMANO Ryuho: "Ku". |
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Welche Rolle spielt beim shodô die Qualität des benutzten Materials?
Die Qualität von Pinsel, Papier und Tinte ist sehr wichtig. Mit gutem Material kann man natürlich auch bessere Werke erstellen. Ein guter Pinsel kann bis zu 1000 Euro kosten und ist aus Ziegenhaar hergestellt. Für Tinte und Papier ist das richtige Alter wichtig. Zwanzig bis dreißig Jahre sind ideal. Wichtig für die Qualität des Papiers ist auch die Jahreszeit. Während der japanischen Regenzeit im Juni ist das Papier feuchter und deshalb schlechter zu beschreiben. Je trockener das Papier, desto besser nimmt es die Tinte auf.
Wie wichtig und populär ist heute shodô in Japan?
Die Informationstechnologie hat es einfach gemacht, sich zu verständigen. Nicht nur shodô, sondern ganz allgemein wird das Schreiben per Hand im täglichen Leben immer unwichtiger. Viele Japaner können deshalb Kanjis nicht mehr richtig schreiben oder lesen. Das ist ein großes Problem nicht nur in der jungen Generation. Ebenso kennen viele Japaner die Bedeutung des shodô nicht mehr.
In der Grundschule haben zwar alle Kinder ein Mal in der Woche shodô-Unterricht, und in der weiterführenden Schule kann shodô als Wahlfach genommen werden. Aber leider gibt es an den meisten Schulen keine ausgebildeten shodô-Lehrer mehr. Zu meiner Zeit war das anders. Zudem gab es damals nicht so viele Fächer zur Auswahl, so dass mehr Kinder shodô gelernt haben.
Muss man Japaner sein, um shodô-Künstler zu sein?
Es gibt einige Künstler, die keine Japaner sind, aber dennoch chinesische Zeichen in ihren Werken darstellen. Ich denke nicht, dass man diesen Kunststil als shodô bezeichnen kann. Übrigens gibt es auch japanische Künstler, die Kanjis und Kana zwar als Grundlage für ihre Arbeiten benutzen, aber eigentlich kein shodô machen.
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HAMANO Ryuho: "Senmonji". |  |
In Europa und den USA sind japanische Zeichen sehr in Mode gekommen. Macht es Ihnen etwas aus, wenn Menschen im Ausland Ihre Arbeiten betrachten, ohne die japanischen Schriftzeichen zu verstehen und die japanische Kultur zu kennen?
Das ist kein Problem für mich. Auch viele Japaner können meine Werke nicht lesen. Wichtig ist das Gefühl, das man beim Betrachten meiner Kunst empfindet. Und ich hoffe, dass ich mit meinen Werken gemeinsame Gefühle bei den Menschen hervorrufen kann, um sie näher zusammenbringen.
Beschäftigen sich deshalb einige ihrer aktuellen Werke mit den Terroranschlägen in New York?
Ich hatte in den letzten Jahren mehrere Ausstellungen in New York und fühle mich daher mit der Stadt und seinen Bewohnern sehr verbunden. In meinen Arbeiten habe ich versucht, das Leid der New Yorker festzuhalten. Für dieses Werk habe ich vor allem Zeichen verwendet, die Trauer und Verzweiflung ausdrücken. Ich wollte aber auch einen ganz praktischen Beitrag leisten und habe eine Spendenbox für meine letzte Ausstellung gestaltet. Die Reaktionen waren sehr positiv.
Was bedeutet es für Sie, Ihre Kunst über die Grenzen Japans hinaus bekannt zu machen?
Für mich sind meine Ausstellungen im Ausland eine Möglichkeit, Japan den Menschen anderer Nationen näher zu bringen. Es ist für mich eine Freude, meine Kunst zu zeigen, gleichzeitig Kontakte mit anderen Menschen zu knüpfen und andere Kulturen kennenzulernen. Europa ist dabei am interessantesten für mich, weil die Europäer auf Grund ihrer eigenen Geschichte und Kunst großes Interesse und Verständnis für meine Werke zeigen.
HAMANO-san, vielen Dank für dieses Gespräch.
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