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Wie das kleine Malheur von Tôkaimura OBUCHI bei der Kabinettsumbildung störte
Zum Mißmanagement der OBUCHI-Regierung beim Tôkaimura Atom-Unfall

Von Marc Julien Verfürth

Die "Asahi Shimbun" vergangenen Samstags (2. Oktober `99) stand ganz im Zeichen des schweren Atomunfalls von Tôkaimura. Neben Artikeln, die im wesentlichen den allgemeinen Hergang des Unfalls und die momentane Lage schilderten oder Abschätzungen über die noch zu erwartenden Schäden etc. gaben, beschreibt ein Beitrag auf der 2. Seite(1) ausführlich das enorme Versagen der japanischen Regierung vor der Problematik.
   

In der von der Tôkyôter Firma JCO betriebenen Atomanlage Tôkaimura bei Tôkyô waren am Donnerstag, den 30.9.1999 ein Brand entstanden und eine atomare Kettenreaktion ausgelöst worden, die am Morgen des Freitag durch ablassen des Kühlwassers gestoppt werden konnte. Bei dem Unfall waren 3 Arbeiter schwer verstrahlt worden. Insgesamt erlitten 49 Menschen Verstrahlungen.
In der Atomanlage wird gasförmiges Uranhexafluorid zu Pulver verarbeitet. Dazu wird es in eine Lösung aus Salpetersäure in einem Tank gepumpt und von hier aus weitergepumpt, bis es zur Endmischung kommt. Zu dem Unfall war es gekommen, weil Arbeiter die Lösung mit Eimern (!) direkt in zudem zu hoch angereicherten Uran in den letzten Tank schütteten.

Atomanlage in Tôkaimura
Atomanlage in Tôkaimura

Im Gegensatz zur berechtigten Kritik an die Adresse der JCO, wurde der schwere Aussetzer der politischen Führung in den westlichen Medien kaum aufgegriffen. Nach Meldung der "Asahi Shimbun" ist es zwar richtig, daß der Premier OBUCHI erst etwa 2 Stunden nach dem Unfall davon erfuhr (kurz vor 13 Uhr am 30.09.) - zu allem Übel auch noch im Rahmen einer Medienkonferenz seines stellvertretenden Kabinettssekretärs FURUKAWA über die anwesenden Journalisten - aber er und seine Berater beließen es in den folgenden Stunden bei einem Krisenmanagement auf Sparflamme, welches sich in der Bildung von Ausschüssen erschöpfte, derweil man auf eine verläßliche Analyse der Situation durch die Science and Technology Agency (Kagaku gijutsu chô) wartete. In der Zwischenzeit ging man in den Amtsräumen des Premierministers unbeirrbar weiter der Planung der bevorstehenden Kabinettsumbildung nach.

Es war nach 20 Uhr, als OBUCHI offiziell verkünden ließ, es werde der Unfall vorrangig vor der Umbildung behandelt, und nach 21 Uhr, als er den Vorfall zur Chefsache erklärte und den Vorsitz vor einer zugleich eingerichteten „Hauptabteilung Regierungsmaßnahmen" übernahm - allein, wie die Asahi Shimbun glaubwürdig schildert - es half nichts: im weiteren Verlauf zeigte sich, daß man weder über ausgearbeitete Krisenpläne (man erinnerte sich schließlich zwar doch noch an ein Handbuch, aber dieses war ausschließlich für nukleare Unfälle in Kraftwerken vorgesehen) noch über entsprechend ausgerüstete Einheiten bei Polizei, Armee oder Feuerwehr (dies bemerkte man allerdings erst, als um etwa 23 Uhr 20 die 101. C-Waffen-Schutzeinheit der Landstreitkräfte aus Ômiya anrückte), verfügte.

Im Lichte dieses Unvermögens der OBUCHI-Regierung stellt sich wirklich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Schuldzuweisungen an die JCO, der man eine maximal 2 1/2 stündige Verzögerung anlasten kann. Die derzeitige Regierung zeigt wieder einmal, wie nahtlos sie sich unter ihre Vorgänger einzureihen weiß: schon beim großen Hanshin-Erdbeben `95 fiel die damalige japanische Führung durch ein katastrophales Mißmanagement auf.

Fußnote:

(1) ASAHI SHIMBUN INTERNATIONAL SATELLITE EDITION 99/10/02, S. 2: Taiô okure Kuni mo chigen mo. Kantei ha naikaku kaizô no kachû datta

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