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Tennofaschismus
Grundstrukturen des Tennô-Faschismus und seiner außenpolitischen Richtlinien
Von Ruth Schneider
Tennô-Faschismus ist die Bezeichnung für das japanische Herrschaftssystem, das sich aus dem in der Meiji-Restauration etablierten Tennô- System durch eine gradlinige Radikalisierung zu einer dem italienischen und deutschen Totalitarismus ähnlichen, alle Gesellschaftsteile durchdringenden System entwickelte. Träger dieser Radikalisierung waren das Militär und die Unter- und Mittelschichten, welche mit der relativ isolierten Situation Japans innerhalb der sich nach dem Ende des Ersten Weltkrieges etablierten internationalen Mächtekonstellation unzufrieden waren. Ähnlich wie die in den westlichen Staaten entstandenen faschistischen Ideologien beinhaltete auch der japanische Faschismus eine Rassenideologie, die sich gegen die westlichen Kolonialmächte richtete, und eine "Lebensraumphilosophie" , die sich letztendlich gegen die anderen asiatischen Staaten wendete. Außenpolitisch entstanden in den zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zwei gegensätzliche Konzeptionen. Die traditionellen Hofkreise um die kaiserliche Familie sowie die hohen Vertreter der Diplomatie und der Wirtschaft strebten eine allmähliche Verbesserung der Situation des außenpolitisch relativ isolierten und wirtschaftlich abhängigen Japans in Zusammenarbeit mit den angelsächsischen Mächten und mittels der Erschließung neuer Handelsmärkte an. Das Militär und zivile Anhänger des radikalen Tennô-Faschismus sahen die einzige Möglichkeit, um Japans Situation zu verbessern, in der Zerschlagung der bestehenden Mächtekonstellation und in der Schaffung einer japanischen Hegemonie im asiatischen Raum. Obwohl im Tennô-System der Kaiser auf Grund seiner göttlichen Abstammung den alleinigen Träger der Autorität darstellte, stellt sich der japanische Staat in den Jahren des Faschismus als bei weitem heterogener und bezüglich der innerstaatlichen Entscheidungsfindung als vielschichtiger dar, als das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien. Auch innerhalb der einzelnen Institutionen und zwischen ihnen bestanden komplexe Machtverhältnisse. Literatur zum Thema: Barnhart, Michael A.: Japan prepares for Total War. The Search for Economic Security, 1919-1941. Ithaca, London: Cornell University Press, 1987. Beasley, W.G.: Japanese Imperialism 1894-1945. Oxford: Clarendon Press, 1992. Hata, Ikuhiko: Continental expansion, 1905-1941. In: Duus, Peter (Hrsg.): The Cambridge History of Japan: Volume 6, The Twentieth Century. Cambridge: Cambridge University Press, 1988. Jaya Deva: Japan's Kampf. London: Victor Gollancz Ltd., 1942.
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