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Taishô Zeit
1911-1925,

Von Andreas Fels

Als am 30. Juli 1912 der Meiji-tennô Mutsuhito starb, endete im Jahr Meiji 45 die Meiji-Zeit. Sein Nachfolger war Yoshihito, der als 123. tennô eine Politik der „großen Rechtschaffenheit" (taishô) anstreben wollte. Hiernach wurde die im Jahr Meiji 45 beginnende Periode Taishô genannt und dauerte offiziell von Taishô 1 im Jahr 1912 bis Taishô 15 (1926). Inoffiziell waren die Regierungsgeschäfte bedingt durch Krankheit Yoshihitos seit 1921 in der Hand seines Sohnes, dem späteren Shôwa-tennô.

In der Taishô-Zeit setzten sich politische Veränderungen, die schon die Meiji-Zeit in Form des Zusammenbruchs des Feudalsystems über den Industriekapitalismus bis zum Imperialismus geprägt hatten, fort. Der Historiker Rudolf Hartmann faßt die Taishô-Zeit diesbezüglich wie folgt zusammen:

Die Taishô-Periode war nicht zuletzt die Zeit, in der Japan zu einem Industriestaat mit einem festen Platz unter den Großmächten avancierte.

Japan wurde also selbst zur Großmacht, die sich auch die „Neuaufteilung der Welt in Einflußsphären" aus wirtschaftlichen- und Prestige-Gründen nicht entgehen lassen wollte und somit 1914 in den Ersten Weltkrieg einstieg. Die Wirtschaft erlebte weiterhin einen starken Boom, der bis 1920, also zwei Jahre nach Kriegsende, anhielt. Die Ausfuhr von Industrieerzeugnissen wurde rückläufig und es kam zu einer Überproduktionskrise, die am 15.März einen Aktiensturz an der Tôkyôter Börse auslöste. Die Folgen hieraus waren eine Verschlechterung der Lebenslage (vor allen Dingen für die Arbeiter), längere Arbeitszeiten (9 Stunden Arbeitstag), zunehmende Arbeitshetze und sinkende Reallöhne. Solche Arbeitsbedingungen resultierten in einer langen Kette von Streiks und dem Erstarken der recht jungen Gewerkschaften.

Allerdings war diese Zeit in Abgrenzung zur Meiji-Zeit nicht nur durch politische und wirtschaftliche Veränderungen bestimmt.

Geistig-kulturelle Tendenzen

Geistig-kulturelle Tendenzen der Meiji-Zeit setzten sich in verstärktem Maße fort und Neue entwickelten sich. Dies wird am deutlichsten in dem sich neu definierenden Verständnis von Kultur und alleine schon in der Terminologie, die diese bezeichnen soll: Benutzte man in der Meiji-Zeit noch den Begriff bunmei („Zivilisation, Kultur"), so wollte man nun den nationalistischen Beigeschmack des Begriffes durch die Taishô-zeitliche Wortschöpfung bunka („Kultur") mildern.

In den Naturwissenschaften nahmen Physik und Chemie neben der vorher seit der Meishi-Zeit dominanten Medizin deutlich an Bedeutung zu. Man hatte erkannt, daß Wissen nicht nur für die Landespolitik, sondern auch für die Wirtschaft und hier insbesondere für die industrielle Produktion von empfindlicher Wichtigkeit war. Neben öffentlichen Bildungsstätten wurden zum Beispiel von einigen der wichtigen zaibatsu wie Mitsubishi, Sumitomo und Furukawa private Forschungsstätten geschaffen. Neben den Naturwissenschaften kamen nun auch Geistes- und Gesellschaftswissenschaften zu größerer schöpferischer Eigenständigkeit. Außer den vormalig kaiserlichen Hochschulen in Tôkyô, Kyôto und Sendai bekamen nun auch andere öffentliche und private Hochschulen den Universitätsstatus zuerkannt.

Das geistig-kulturelle Umdenken bzw. die neue Originalität einer intellektuellen Schicht läßt sich unter anderem an dem Erscheinen von Literaturzeitschriften wie Shirakaba („die Birke") mit der hinter ihr stehenden shirakabaha („die weiße Birke-Bewegung") oder der ab 1923 erscheinenden Bungei Shunjû („literarische Jahreszeiten") deutlich abmessen.

Sowohl der Bildungsboom als auch das angedeutete geistig-kulturelle Umdenken wären nicht in dieser Intensität möglich gewesen, hätte sich das Druckmedium nicht während der Edo-Zeit und Meiji-Zeit zu der nun vorhandenen Größe und Stabilität entwickelt. Das Druckmedium war inzwischen ein Instrument, von dem größere soziale, kulturelle, wirtschaftliche und sogar politische Veränderungen abhängig waren.

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