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Japanischer Militarismus

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Aus kolonialpolitischer Sicht am bedeutendsten - neben dem Erwerb des Liaodong-Gebietes - war eine weitere Bestimmung im Vertrag, die China dazu verpflichtete, Korea als selbständiges Land anzuerkennen. Damit hatte Japan einen wichtigen Konkurrenten in Korea ausgeschaltet und konnte seinen Einfluß enorm steigern.
Wie zu erwartet, mußte Japan jedoch bereits im selben Jahr seine Ansprüche auf die Liaodong-Halbinsel aufgrund der Drei-Mächte-Intervention durch Rußland, Frankreich und Deutschland aufgeben und das Gebiet an China zurückgeben. Als die japanische Regierung erkannte, daß sie künftig zur Durchsetzung kolonialer Ansprüche auf dem asiatischen Festland die Unterstützung durch einen starken westlichen Partner benötigen würde, schloß sie 1902 mit Großbritannien ein Bündnis, welches sich schon seit längerem abgezeichnet hatte.
Inzwischen begann die Zunahme des japanischen Zugriffs auf Korea, in dessen Verlauf Japan aufgrund der Ermordung der aufrührerischen Königin und des Mißbrauchs an ihrem Leichnam durch japanische Soldaten die ohnehin bisher geringen Sympathien im koreanischen Volk und die wesentlich größeren im koreanischen Adel vollends verspielte und sich mit einer zunehmenden Einmischung Rußlands konfrontiert sah. Das kühle Verhältnis mit Rußland, dem Konkurrenten in China und Mitspieler bei der 3-Mächte-Intervention, entwickelte sich schließlich zu einer sich mehr und mehr zuspitzenden Krise. Verhandlungen wurden zwar geführt, jedoch ohne, daß eine der beiden Seiten erkennen ließ, an einer friedlichen Beilegung des Konflikts interessiert zu sein. Japan sah seine Interessen in Korea gefährdet und Rußland war jederzeit zu einem Krieg mit dem unterschätzten Japan bereit. Der Russisch-japanische Krieg, welcher daraufhin im Februar 1904 ausbrach, endete mit einer Niederlage Rußlands. Im Friedensvertrag von 1905 mußte Rußland nicht nur Japans Ansprüche in Korea anerkennen, sondern darüberhinaus die Pachtrechte von Port Arthur und Dairen auf der Liaodong-Halbinsel an Japan abtreten. Ein Teil davon, mit Port Arthur und Dairen als Mittelpunkte, wurde noch im gleichen Jahr als Kwantung-Territorium (japanisch: Kantô) zur japanischen Kolonie. Zusätzlich erwarb Japan von Rußland die Pachtrechte an der südmandschurischen Eisenbahn und als Kolonie den Teil Sachalins südlich des 50. Breitengrades, Karafuto.
Vom kolonialistischen Standpunkt her betrachtet, war das Jahr 1905 damit für Japan recht erfolgreich, denn ebenfalls in diesem Jahr wurde Korea unter das japanische Protektorat gezwungen; Japan übernahm vollständig die außenpolitische Vertretung Koreas sowie sämtliche Verteidigungsaufgaben. Hierzu durfte es nicht nur weitere Soldaten, sondern auch große Militärpolizeikontingente in Korea stationieren. Die Weichen für die endgültige Einnahme Koreas waren nun gestellt.
Die Möglichkeit hierzu bot sich 1909, als im Oktober der ehemalige erste japanische Generalgouverneur und berühmte Staatsmann ITÔ Hirobumi (1841-1909) auf einer Rußlandreise durch das Attentat eines koreanischen Nationalisten ums Leben kam. Japan nutzte den Geist der Stunde, besetzte im Frühjahr 1910 die koreanische Hauptstadt Seoul und annektierte Korea; als Besatzungsstreitmacht stationierte man neben einem großen Aufgebot an Militärpolizei eine gesamte Division , ab 1915 zwei Divisionen in Korea. Korea war somit faktisch ab diesem Moment eine Kolonie Japans, und sollte bis kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs, bis 1945, die bedeutendste japanische Kolonie bleiben.
Die letzten kolonialen Erwerbungen machte Japan im 1. Weltkrieg, in dem es als Verbündeter Großbritanniens, jedoch gegen dessen Willen, gegen Deutschland Krieg führte und mühelos bereits 1914 die deutsche Kolonie Tsing Tao einnahm. Nach Beendigung des Krieges 1918 erhielt Japan zudem die ehemals deutschen Gebiete im Südpazifik, also vor allen Dingen die Marianen und die Karolinen (neben weiteren, kleineren Inseln), welche es zum Kolonialgebiet Nan´yô zusammenfaßte.
Als weitere wichtige Eckdaten japanischer Kolonialpolitik sollten außerdem die japanische Beteiligung an der Niederschlagung des Boxeraufstandes ab 1900 und die versuchte Einflußnahme in Sibirien ab 1918, die Japan bis 1922 fortsetzte, erwähnt werden. In den zwanziger Jahren verfolgte Japan wie andere Kolonialmächte relativ erfolglos eine expansionistische Politik gegen China, indem es einen regionalen militärischen Anführer unterstützte.
Im Jahr 1918 hatte das japanische Imperium seine größte Ausdehnung erreicht; die wichtigsten Kolonien seines Reiches stellten aber zweifellos Korea, Taiwan und das Kwantung-Territorium (Kantô) dar.

Der Aufstand des 1. März

Die Reaktionen der kolonialisierten Völker, genauer der Koreaner und Taiwanesen, auf dieses Gebaren der Japaner in ihren Heimatländern waren besonders in Korea ausgesprochen heftig. Dort kam es ab dem 1. März 1919, nachdem die japanischen Besatzer im Zuge der „Neuvermessung" des landwirtschaftlich nutzbaren Landes besonders zum Vorteil der japanischen zaibatsu, aber auch zugunsten der japanischen Einwanderer und einiger koreanischer Privilegierter, die Kleinbauern ihrer Felder beraubten, zu einer landesweiten und monatelangen Volkserhebung, der „Bewegung des 1. März". Als dieser größte Aufstand in der japanischen Kolonialzeit nach drei Monaten vor allen Dingen mit Hílfe des Besatzungsheeres und der Militärpolizei niedergeschlagen worden war, gab es auf koreanischer Seite dem Bericht des japanischen Generalgouverneurs zufolge 7909 getötete Freiheitskämpfer zu beklagen. Zweifelsohne dürfte die Zahl der Verwundeten die der Toten dabei um ein Vielfaches übertroffen haben. Nach diesen Vorfällen mußte Japan den auf dem Fuße folgenden internationalen Protesten gegen die brutale Unterdrückung der Koreaner und Taiwanesen nachgeben und Zugeständnisse machen; die zur Beruhigung der internationalen Öffentlichkeit durchgeführten Reformen beinhalteten vor allen Dingen die Besetzung der beiden Generalgouverneursposten durch Zivilisten statt durch Militärs sowie den weitestmöglichen Ersatz der Militärpolizeieinheiten in Korea durch gewöhnliche Polizei. Diese Maßnahmen sollten aber nur den Schein wahrer Veränderung erwecken; tatsächlich änderte sich an den bisherigen Machtstrukturen, in denen das Militär das Sagen hatte, nichts , und die begonnene Landenteignung der koreanischen Kleinbauern wurde trotz allem zu ihrem vorgesehenen Abschluß gebracht. Tatsächlich trat sogar eine Verschärfung des diktatorischen Zugriffs auf Korea und Taiwan ein, und zwar zum einen durch die erhebliche Aufstockung der gewöhnlichen Polizeieinheiten, und zum anderen aufgrund der zu diesem Zeitpunkt begonnen Politik der zwangsweisen Assimilierung.

Die Rolle der Wirtschaft

Zu Beginn hatte ich im Rahmen einer allgemeinen Schilderung der politischen Situation im Ostasien der Jahrhundertwende bereits zu einer Darstellung rationaler Gründe für den japanischen Kolonialismus angehoben; ich möchte im folgenden diese Ausführungen ausweiten und den politischen die wirtschaftlichen Motive hinzufügen.

Schon 1904, kurz nach Ausbruch des Russisch-japanischen Krieges, konstatierte der damalige Handelsminister KIYOURA Keigo „das große Interesse unserer Industrie an China und Korea." Er behauptete in der gleichen Rede gar, dies sei der einzige Grund oder die einzige Ursache für die Auseinandersetzung:

Die Öffentlichkeit meint, wenn sie den Krieg beurteilt, daß zwei imperialistische Länder aneinandergeraten sind.

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