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Japan und Korea
Gestern - Heute - Morgen
Von Marc Verfürth
Deutschland - Niederlande, USA - Kanada, Japan - Korea: all dies sind Nachbarstaaten, deren Bürger einander in inniger Ablehnung zugetan sind. Gemeinsam ist ihnen allen, daß ein kleinerer bzw. schwächerer Staat einem übermächtigen Nachbarn gegenübersteht. Jenseits allgemeiner Spekulationen darüber, was uns dies generell und allgemein über eventuelle psychologische/soziologische Ursachen für diese Spannungen sagen könnte, möchte ich in diesem kleinen Essay kurz die konkreten, insbesondere nämlich die historischen, Hintergründe im Falle Korea und Japans zur Sprache bringen.
Gestern Die Beziehungen Japans zu Korea reichen weit zurück: Schon im 4. Jahrhundert, während der "Zeit der Drei Reiche" Koreas, konnte sich das spätere japanische Kaiserreich (noch eine kleine Lokalmacht, die sich selbst "Yamato" nannte) an der Südspitze der koreanischen Halbinsel mit dem eigens gegründeten Zwergstaat Mimana eine Machtbasis schaffen. Man mischte sich erheblich in die Streitigkeiten zwischen den drei koreanischen Reichen Kogûryô, Paekche und Silla ein und war mit Paekche verbündet, bis dieses zusammen mit Mimana im 6. Jahrhundert durch Silla besiegt und diesem einverleibt wurde. Damit war der unmittelbare Einfluß des Yamato-Reiches auf Korea beendet. Es fand jedoch weiterhin , unterbrochen von längeren Phasen, bis in die Neuzeit hinein ein mal intensiverer, mal weniger intensiver Austausch mit Korea statt. Dieser gestaltete sich zumindest in kultureller Hinsicht weitestgehend einseitig, vom hochentwickelten Korea zum noch rückständigen, aber äußerst lernwilligen Japan: nahezu die ganze chinesische Kultur und Wissenschaft erreichte Japan zunächst über Korea, über koreanische Mönche, Gelehrte, Handwerker und Künstler. Zwar wurden etwa ab dem 8. Jahrhundert japanische Gesandte zum Studium auch direkt nach China geschickt, jedoch waren dies wegen der langen Reise vergleichsweise seltene Anlässe; das Gros der wichtigen intelektuellen und kulturellen Anreize erreichte Japan über Korea und war somit trotz der koreanischen Neigung zur manierierten Konservation bereits ein wenig koreanisiert. In den Folgejahrhunderten kann man von einer Aufholjagd Japans sprechen, in der aus Korea und China aus Lehrmeistern immer mehr Konkurrenten wurden. Das Gefühl der Japaner, große Teil seiner Kultur den Chinesen und den Koreanern zu verdanken zu haben, spielte wohl schon damals und spielt bis heute eine große Rolle in der japanischen Befindlichkeit und lieferte den psychologischen Hintergrund für zwei besonders wichtige Ereignisse in der neuzeitlichen und jüngsten gemeinsamen Geschichte Japans und Koreas, die ich im folgenden nur kurz abhandeln möchte.
Hierzu zählen zunächst die beiden gescheiterten Korea-Feldzüge 1592 und 1597 des damaligen Regenten (er führte den Titel taikô) Toyotomi Hideyoshi (1536-1598). Dieser schickte sich nach der endgültigen Einigung des japanischen Reiches an, China zu erobern, mußte hierzu jedoch zunächst seine Heere durch Korea hindurch marschieren lassen. Da dieses als treuer Vasallenstaat Chinas den Durchmarsch verweigerte, sollte auch Korea zunächst handstreichartig genommen werden. Hideyoshis Armeen wurden jedoch beide Male durch die koreanisch-chinesischen Truppen geschlagen, beim zweiten Versuch allerdings erst, nachdem den japanischen Heerführern durch den recht plötzlichen Tod Hideyoshis der strategische Kopf verloren gegangen war. Grund für die Aggression gegen China war vor allem das Bedürfnis, sich gegen die Allmachtsansprüche Chinas durchzusetzen; es war also tatsächlich ein Kampf um die Vorherrschaft zwischen China und Japan, angestachelt von einem allgemeinen japanischen Unterlegenheitsgefühl und dem Größenwahn Toyotomi Hideyoshis. Der chinesische Vasall Korea galt den japanischen Führern, die sich schon längst von der Vormacht emanzipiert zu haben glaubten, als minderwertig, der Maßstab, an dem es sich zu messen galt, konnte für sie nur China sein.
Als am wichtigsten für das heutige Verhältnis zwischen Japan und Korea und als der Kulminationspunkt der bisherigen Entwicklungen ist aber zweifellos der Vorfall aus der jüngeren Vergangenheit zu sehen, nämlich die Kolonialisierung Koreas durch Japan. Der japanische Staat begann schon deutlich vor diesem Ereignis, entschieden Einfluß auf koreanische Angelegenheiten zu nehmen, musste sich aber gegenüber anderen Mächten, nämlich Russland und China, durchsetzen, bevor es Korea zunächst 1905 als Protektorat vereinnahmte und schließlich 1910 vollständig annektierte. Das Verhalten der Kolonialmacht Japan hier ausführlich darzustellen, fehlt der Raum (näheres hierzu ist im Beitrag "Japanischer Kolonialismus und Militarismus in der Taishô-Zeit" zu finden), jedoch kann man kurz resümierend zu folgendem Urteil kommen: Japan wähnte sich endgültig überlegen und freute sich, in einer Vertauschung der historischen Rollen nun endlich seinerseits den rückständigen Koreanern den Fortschritt beibringen zu können. Es kann insgesamt bezweifelt werden, daß die japanische Kolonialherrschaft gewalttätiger war als beispielsweise jene der Briten in Indien oder der Niederländer in Indonesien. In der Anfangsphase bis in die 20er Jahre hinein galt Japan international gar als vorbildliche Kolonialmacht. Gleichwohl wurde das koreanische Volk durch Japan brutal unterdrückt und schwere Menschenrechtsverletzungen, gewalttätige Übergriffe und Ermordungen missliebiger koreanischer Dissidenten seitens der japanischen Ordnungsmacht waren an der Tagesordnung. Zu trauriger Berühmtheit sind auch die ganz überwiegend koreanischen ianfu ("Trostfrauen"), die Zwangsprostituierten in japanischen Armee-Bordellen während des 2.
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