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Motive für den Dreimächtepakt
Gründe für Japans Beteiligung am Dreimächteabkommen

Von Ruth Schneider

Die deutschen Gewinne im Westen stärkten die pro-deutschen Kräfte in Japan. Das Militär sah sich darin bestätigt, daß ein Zusammengehen mit Deutschland kein Risiko bedeutete. Selbst in der zuvor deutschfeindlichen Marine setzten sich die radikaleren jungen Offiziere durch. Der neue Außenminister des Kabinetts KONOE, MATSUOKA Yosuke, unterstützte diese Forderungen. Auch er glaubte an einen sicheren Sieg Deutschlands, aber auch daran, daß er es schaffen würde, einen Vertrag zwischen Deutschland und Japan zugunsten Japans auszuhandeln. Bedeutend ist die Tatsache, daß die Siege Deutschlands über Frankreich und die Niederlande und der drohende Sieg über England ein gewisses Machtvakuum in Südostasien entstehen ließ. Die Armee sah den Zeitpunkt gekommen, ihre expansionistischen Wünsche zu erfüllen und die Errichtung der zuvor offiziell geforderten Großasiatischen Wohlstandssphäre zu beginnen.

Am 27. Juli beschloß das neue Kabinett KONOE, daß die Situation für eine Expansion nach Süden und eine Ausweitung der japanischen Interessenssphäre nach Indo-China, Thailand, Malaysia, Burma und Niederländisch-Indien genutzt werden müßte. Dazu aber sollte der Ausgleich mit er Sowjetunion gesucht und das Eingreifen der USA verhindert werden. Dies würde es auch ermöglichen, den langwierigen Krieg mit China endgültig zu Gunsten Japans zu entscheiden.


Die möglichen deutschen Ansprüche auf Kolonien

Die deutschen Siege hatten zwar das Machtvakuum geschaffen, daß es der japanischen Armee ermöglichte, ernsthaft über eine Expansion gen Süden nachzudenken und zu fordern. Doch zugleich bedeutete die Macht, die Deutschland über die Kolonialstaaten Frankreich und auch Holland errungen hatte, daß nun Deutschland Forderungen stellen konnte bezüglich dieser Kolonien. Um dieser Gefahr vorzubeugen, wurden am 25. November japanische Truppen nach Indo-China verlegt, welches auf Grund eines Vertrages mit der Vichy-Regierung schon offiziell zu japanischem Interessengebiet gehörte.

Tatsächlich hatte Deutschland nur am 20. Mai 1940 den Verzicht auf die niederländische Kolonien garantiert, die Frage nach den französischen Kolonien blieb also offen. Insofern kann dies als ein Motiv für den Abschluß des Vertrages und damit der Beteiligung am Dreimächtepakt gesehen werden.


Die neue politische Ordnung

Die Verhandlungen um den Vertrag, die im wesentlichen von dem japanischen Außenminister MATSUOKA Yosuke geführt wurden, paßten zu der nationalistischen Strömung, die Japan im September 1940 dominierte. Der Ruf nach einer neuen politischen Ordnung, die sich an der deutschen Ordnung orientierte, führte zu einem Parteienverbot und zu der Schaffung der Einheitspartei, die man Vereinigung zur Unterstützung der Krone nannte. Die nun von den Militärs bestimmte Regierung zielte darauf, das japanische Volk so zu beeinflussen, daß es in einem Krieg zu keinerlei Widerstand von Seiten der Bevölkerung kommen konnte. Die Entlassung von weniger extremen Personal im Außenministerien und auch in anderen Ministerien nach Abschluß des Vertrages, könnte somit darauf hinweisen, daß Matsuoka den Vertrag nutzte, um die Schaffung der neuen politischen Ordnung durchzusetzen und seine eigene Stellung zu stärken.

Die Verschlechterung der Beziehungen zu den USA

Unabhängig von den nationalistischen Forderungen war Japan objektiv gesehen bezüglich der Lieferung von Rohstoffen von den Vereinigten Staaten abhängig. Dies hatte unter anderem zu dem Programm der Expansion nach Süden, wo man sich die eigene Gewinnung von Erdöl, Gummi, Zinn, u.a. Rohstoffen erhoffte, geführt. Die Vereinigten Staaten waren aber natürlich auf Grund ihrer geographischen Lage gegen eine Ausweitung des japanischen Machtbereiches.

Nachdem Japans Versuch gescheitert war, das Rohstoffproblem in China zu lösen, hatten stark nationalistische Tendenzen verhindert, daß Japan den möglichen Ausgleich mit den Vereinigten Staaten fand.
Als Reaktion darauf kündigten die Vereinigten Staaten Anfang des Jahres 1940 den Handelsvertrag mit Japan. Dies verschlechterte die Rohstoffsituation Japans und machte eine Annäherung an die Vereinigten Staaten unwahrscheinlicher, doch dies lehnten die radikalen Kräfte ohnehin ab.

Also war die japanische Armee gezwungen, zu überprüfen, inwieweit Japan fähig wäre, gegen die Vereinigten Staaten einen Krieg zu führen. Schon im Winter 1939 hatte die Marine mit dem Bau einer neuen Flotte begonnen. Vom 15. bis zum 21. Mai führte die japanische Armee nun ein Kriegsspiel durch, das zeigte, daß Japan in einem Krieg gegen die amerikanische Marine und ihre Verbündete unterlegen sein würde.

In dieser Situation war Japan also auf einen Bündnispartner angewiesen, der sich mit gegen die Vereinigten Staaten stellte. Die Überlegung, daß Japan auf einen Krieg mit den Vereinigten Staaten spekulierte, wird bekräftigt durch die Tatsache, daß der Vertrag in relativ kurzer Zeit ausgehandelt und unterzeichnet wurde. Die Vereinigten Staaten schienen sich dessen auch bewußt zu sein, denn am 26. September 1940, einen Tag vor der feierlichen Unterzeichnung des Dreimächtepaktes, lizensierten sie den Export von Öl und erhoben ein Embargo auf Schrottstahl. Am gleichen Tag verstärkten sie die Rüstungshilfe für Großbritannien.

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